NMR-Spektroskopie erfordert hochentwickelte und teure Geräte, die von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit unterschiedlichem Hintergrund betrieben werden, vom serviceorientierten Fachpersonal für Routineuntersuchungen bis hin zu hochqualifizierten Forschenden, die lokale wie externe Nutzende bei spezialisierten Anwendungen unterstützen. Vor der Corona-Pandemie wurde die Mehrzahl der Messungen in Europa von Forschenden gemacht, die zu den NMR-Zentren reisten. Entsprechend stark ging als Folge von Reise- und Kontaktbeschränkungen die Nutzung der Anlagen durch externe Nutzende zurück.
Daher haben NMR-Forschende bereits in den vergangenen zwei Jahren damit begonnen, NMR-Analyseverfahren per digitalem Fernzugriff zu entwickeln. Das neue Projekt Remote-NMR (R-NMR), das von Prof. Harald Schwalbe von der Goethe-Universität geleitet wird, wird jetzt Standards für einen NMR-Fernzugriff schaffen, der europäischen Forschern einen Zugang zu den Großgeräten ermöglicht. Die Nutzenden sollen in die Lage versetzt werden, mit dem NMR-Instrument zu interagieren, die laufenden Experimente zu überwachen und bei Bedarf anzupassen und mit dem Personal, das vor Ort die Geräte betreut, zu kommunizieren. Dazu werden innerhalb R-NMR alle bedeutenden NMR-Infrastrukturen in Europa miteinander vernetzt. Routineprozesse für die Remote-Nutzung von NMR werden eingerichtet, was die Erstellung von Forschungs- und Lehrprotokollen sowie die Archivierung von Daten und den Probenversand einschließt.
Prof. Harald Schwalbe ist überzeugt: "Im Netzwerk R-NMR machen wir uns fit für NMR@home. Die europaweite Standardisierung ist dabei ein riesiger Vorteil, denn so können wir die vorhandenen riesigen Potenziale, die diese wichtigen Forschungsinfrastrukturen bieten, optimal nutzen. Weil viele Kolleginnen und Kollegen viel weniger reisen müssen, lässt sich außerdem der CO2-Fußabdruck unserer Forschung deutlich verkleinern."
COMPAMED.de; Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main