Im Interview mit COMPAMED.de erklärt uns Dr.-Ing. Andreas Blaeser, was medizinische Textilien sind, welche besonderen Anforderungen sie erfüllen müssen und was sich aktuell in diesem Bereich tut.
Herr Dr. Blaeser, Sie haben heute im COMPAMED SUPPLIERS FORUM den Vortrag "Recent advances in medical textiles and biofabrication technology" gehalten. Wo finden wir denn überall solche medizinischen Textilien?
Dr.-Ing. Andreas Blaeser: Im extrakorporalen Bereich finden medizinische Textilien beispielsweise Anwendung als Kompressionsstrümpfe, OP-Kleidung oder auch Smart Medical Textiles, also Textil-integrierte Sensorik zur Messung von Körperfunktionen. Intrakorporal angewendet werden Textilien als Wundauflagen, Rekonstruktionsnetze, Gefäßprothesen, Nahtmaterial oder als Gerüststrukturen für die Gewebezüchtung, also Tissue Engineering beziehungsweise Regenerative Medizin, genutzt.
Warum sind diese Textilien besonders gut für den Einsatz in der Medizin geeignet?
Blaeser: Textile Strukturen zeichnen sich dadurch aus, dass ihre physikalischen, biologischen und chemischen Eigenschaften präzise und zum Teil unabhängig voneinander eingestellt werden können. Die Faser oder das Garn bildet den Grundbaustein für die textile Werkstoffmorphologie. Je nach Verarbeitung kann eine hoch feste Faser beispielsweise zu einem sehr elastischen Implantat verarbeitet werden. Ein weiterer Vorteil textiler Strukturen liegt in ihrer hohen Elastizität und Drapierbarkeit. Am Institut für Textiltechnik in Aachen werden unterschiedliche Technologien zur Herstellung von medizintextilen Flächen, wie zum Beispiel Gewebe, Gewirke, Gestricke oder Vliesstoffe, eingesetzt. Einen besonderen Akzent setzen wir mit der in unserem Haus eingesetzten Wirktechnologie. Das Wirken ermöglicht die Herstellung von medizinischen Maschenwaren mit präzise einstellbarer Mechanik und Porosität. Diese Besonderheit machen wir uns zu Nutze, um Gerüststrukturen für die Gewebezüchtung von Blutgefäßen, Herzklappen sowie Gewebe des Bewegungsapparates – also Knochen, Knorpel und Muskeln – zu produzieren.