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Starker Rückenwind für die COMPAMED – mehr als 16.000 Fachbesucher +++ Medizintechnische Zulieferer überzeugen mit Innovationen bei Materialien, Systemen und Dienstleistungen

Die COMPAMED in Düsseldorf verspürt weiter starken Rückenwind. Parallel zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA interessierten sich von den insgesamt 138.000 Fachbesucher mehr als 16.000 für die Themen und das Angebot der international führenden Fachmesse für den Zuliefermarkt der medizintechnischen Fertigung (Laufzeit: 18. bis 20. November). 21.11.2009

Medizintechnische Zulieferer überzeugen mit Innovationen bei Materialien, Systemen und Dienstleistungen

Die COMPAMED in Düsseldorf verspürt weiter starken Rückenwind. Parallel zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA interessierten sich von den insgesamt 138.000 Fachbesucher mehr als 16.000 für die Themen und das Angebot der international führenden Fachmesse für den Zuliefermarkt der medizintechnischen Fertigung (Laufzeit: 18. bis 20. November).

Mit neuartigen Materialien, Systemen und Dienstleistungen, mit neuen Ideen aus dem Mikro- und Nanokosmos, mit einer weiter verbesserten Präzision und Qualität schaffen die mehr als 500 Aussteller, die sich in den Hallen 8a und 8b bei der COMPAMED präsentierten, häufig die Voraussetzungen für die kleinen und großen Verbesserungen der Medizintechnik. „Unternehmer der Zulieferbranche sind in der Tat treibende Kräfte für Innovation und Effizienz. Ein Rundgang über die COMPAMED lieferte dafür eindrucksvoll die Bestätigung“, bekräftigt Wilhelm Niedergöker, Geschäftsführer der Messe Düsseldorf GmbH.

So müssen Hersteller von Präzisionsteilen wie schraubbare Zahnimplantate immer strenger werdende Vorgaben hin zu kleineren Abmessungen und noch engere Toleranzen nachweisen und dennoch wirtschaftlich fertigen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die zerstörungsfreie Prüfung weiter an Gewicht. Dafür vertreibt die Firma ZygoLOT GmbH (Darmstadt) ein Weißlichtinterferometer, das deutlich aufwändigere und teurere Rasterelektronenmikroskope ersetzen kann. Das von der Objektoberfläche reflektierte Licht interferiert hierbei mit dem Licht der Referenzfläche. Zusammen mit einer speziellen Datenauswertung FDA (Frequency Domain Analysis) bietet dieses Verfahren eine hohe Anzahl von Messpunkten mit einer Höhenauflösung von 0,1 Nanometern. „Die Messflächen können sowohl poliert als auch rau sein. Ein aufwändiges Kalibrieren ist nicht notwendig“, erklärt Johann B. Ableiter, Vertriebsmanager bei ZygoLOT, die ihre Geräte von der amerikanischen Mutter Zygo Corporation aus Middlefield (Connecticut, USA) bezieht. Aussagen über die Oberflächeneigenschaften von Implantaten sind für ihr gutes Anwachsen extrem wichtig.

Um feinste Strukturen bis hinab in den Nanobereich geht es auch bei der niederländischen DSM Biomedical (Geleen), die auf Beschichtungen für medizinische Systeme wie Katheder oder Stents spezialisiert ist. Neu auf dem Markt unter der Bezeichnung VitroStealth ist eine Technologie, die das so genannte Biofouling verhindert, also die unerwünschte Anhaftung von Proteinen, Nukleinsäuren, Zellen und Bakterien. Das neue System kann flüssig in einer Wasser-Alkohol-Mischung aufgebracht werden und haftet in einer nur etwa 200 Nanometer dicken Schicht extrem gut auf verschiedenen Substraten durch den Einsatz von UV-Licht. Die abweisende Wirkung kommt durch ein Polymer an der Oberfläche zustande, das eine Art Bürstenstruktur aufweist, auf der Zellen etc. keinen Halt finden. Die Beschichtung ist durch gängige Verfahren wie Tauchen, Sprayen, Rollen oder Rotation (Spin Coating) leicht und wirtschaftlich aufzubringen und ist auch für die Großserie geeignet. Außer mit UV-Lampen kann auch thermisch getrocknet werden.

Metallorganische Additive gegen Infektionen

Infektionsquellen sind nicht nur bei Implantaten ein großes Problem, sondern bei vielen Flächen in Kliniken oder Sanitäreinrichtungen. Die European Science Foundation geht davon aus, dass jährlich 1,75 Millionen Infektionen in Kliniken erworben werden, wovon zehn Prozent tödlich verlaufen. Vor diesem Hintergrund hat die Berliner Firma SteriOne GmbH & Co. KG metallorganische Verbindungen, so genannte Sterione, entwickelt, die nicht nur gegen Bakterien, sondern auch gegen Viren und Pilze wirken. „Unsere Sterione lassen sich als dauerhaft wirkende Additive in Silicone, Thermoplaste, Lacke und Pulverbeschichtungen einbringen, d.h. wir können Böden, Wände, Griffe und Schalter entsprechend ausrüsten“, verdeutlicht Matthias-Reinhard Koehn, Mitglied der Geschäftsführung von SteriOne, die breiten Einsatzmöglichkeiten. Für den Kunststoff- und im Anstrichbereich stehen bereits Produkte zur Verfügung, die mit Partnern aus den jeweiligen Bereichen entwickelt wurden. „Das Interesse ist so groß wie die Nachfrage, unser erster Messebesuch war ein voller Erfolg“, so Koehn.

Weiterhin eine große Bedeutung bei der COMPAMED hat der Bereich neue Materialien. Erstmals bietet das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM, Bremen) ein ganzes Spektrum von Biomaterialien an. „Wir verwenden kommerziell verfügbare Pulver von Metallen, Keramiken oder Polymeren und verfügen über großes Know-how beim Pulver- bzw. Mikrospritzgießen“, erklärt Dr. Philipp Imgrund, Abteilungsleiter Biomaterial-Technologie am IFAM. Mikrobauteile sind mit Kantenlängen bis unter 250 Mikrometer möglich, zudem können verschiedene Mikrostrukturen auf den Oberflächen realisiert werden. Ein wichtiges Einsatzfeld von Biomaterialien sind Implantate z. B. aus Hydroxylapatit, die sich selbst auflösen und als temporäre Knochenschrauben dienen können. Eine teure Zweitoperationen zum Herausholen dieser so genannten Pins wird damit überflüssig.

Bauteile für das Rapid Prototyping bzw. Rapid Tooling präsentierte die Firma Sauer & Sohn KG (Dieburg). Ausgangspunkt sind sorgfältig gesiebte Metallpulver aus Titan, Kobaltchrom- und Edelstähle. Eine Weltneuheit stellen die von der FDA zugelassenen Legierungen für Pilotanwendungen im Lasercusing dar. Dabei werden die Prototypen Schicht für Schicht direkt aus 3D-CAD-Daten aufgebaut. „Dabei beträgt die Schichtstärke, die jeweils mit dem Laser verschmolzen wird, nur jeweils 0.02 Millimeter“, betont Armand Bayer, Leiter Vertrieb und Marketing bei Sauer & Sohn. Auf diese Weise können auch komplexe und filigrane Geometrien verwirklicht werden wie Knieimplantate, Knochenfixierungen oder chirurgische Instrumente. Alternativ lassen sich mit der Polyjet-Technologie dreidimensionale Baumuster erzeugen, die aus bis zu acht Werkstoffgemischen bestehen können und ebenfalls schichtweise gedruckt werden. „Im Einsatz stehen dafür fast 1.000 Druckdüsen, die Härtung des Materials erfolgt durch UV-Licht“, berichtet Bayer.

Glasfaserplatten als Ersatz für Röntgenfilme

Ein ganz anderes Themengebiet adressiert die Schott AG (Mainz), die mit ihrem Geschäftsbereich „Lighting and Imaging“ in Düsseldorf vertreten war. „Wir wollen unsere Aktivitäten in der Medizintechnik ausbauen“, betont Jürgen Freitag, Verkaufsleiter Medizinische Komponenten für Europa und Asien bei Schott. Platten aus verschweißten Glasfasern, die die Mainzer in ihrem amerikanischen Werk Southbridge (Massachusetts) fertigen, sollen etwa die klassischen Röntgenfilme beim Zahnarzt ablösen und die umgehende Weiterverarbeitung der Aufnahmen auf digitalem Weg ermöglichen. Für diese Röntgentechnik stehen auch größer formatige Platten beispielsweise für die Mammografie zur Verfügung. Ausgestellt war in diesem Zusammenhang die größte Faserplatte der Welt in den Abmessungen von 430 mal 430 Millimetern – also deutlich größer als eine DIN A 3-Seite. Glasfasern bilden zudem die Basis für innovative Beleuchtungseinrichtungen, die das Licht u. a. direkt in den Bohrerbereich einer Zahnarztturbine transportieren. „In der Fertigung von Beleuchtungselementen für Zahnarztturbinen sind wir Weltmarktführer und bieten Lösungen in rund 50 verschiedenen Designs an“, so Freitag. Weitere Einsatzgebiete sind Lichtleiter für Operationsmikroskope und Faserstäbe zum Aushärten von Zahnfüllmaterialien.

Ein Bereich mit immer noch wachsender Bedeutung bei der COMPAMED sind Verpackungslösungen. Eine spezielle Einheit, die hochflexibel mit verschiedenen Materialien und Abmessungen agieren kann, hatte die Automated Packaging Systems aus Streetsboro (Ohio) nach Düsseldorf mitgebracht. „Das Problem vieler Hersteller z. B. von Spritzen liegt darin, dass entweder nur ganz große Linien mit gewaltigen Stückzahlen oder Vorrichtungen für die Kleinserien per Hand auf dem Markt angeboten werden. Wir haben deshalb ganz bewusst auf Maschinen gesetzt, die im mittleren Bereich angesiedelt sind, also bis zu 80 Beutel pro Minute schaffen“, berichtet Gebietsverkaufsleiter Axel Wulff. Die modular aufgebauten Maschinen blasen die Verpackungsbeutel per Druckluft auf und verschließen sie per Schweißnaht. Wenn gewünscht können Bedruckungsmaschinen und unterschiedliche Materialzuführungssysteme ergänzt werden. Das amerikanische Familienunternehmen gehört mit 35.000 verkauften Einheiten zu den Marktführern in diesem Verpackungssegment.

Die Medizintechnik gehört weltweit zu den innovativsten Branchen mit extrem kurzen Produktzyklen. Deutschland glänzt hier mit einem Exportanteil von über 65 Prozent. Nach einer Studie, die der Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE) unter dem Titel „MedTech 2020“ veröffentlicht hat, steht die Medizintechnik-Industrie vor gewaltigen Umbrüchen. So zeichnet sich eine Aufholjagd der asiatischen Länder ab, die insbesondere zu Lasten des Weltmarktführers USA gehen könnte. Für die exportorientierten deutschen Unternehmen sieht der Fachverband für Mikrotechnik IVAM einen wichtigen Zukunftsmarkt im Bereich Assistenzsysteme: „Abseits der klassischen Finanzierungspfade wird eine immer älter werdende Gesellschaft maßgeschneiderte Technologien für ein sicheres, selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden auch mit privaten Mitteln anschaffen. Diesen Markt können und müssen wir jetzt bedienen, die technischen Voraussetzungen dazu haben wir“, betont Dr. Uwe Kleinkes, Geschäftsführer des IVAM. Gut möglich, dass schon zur nächsten COMPAMED (17. bis 19. November 2010) die ersten Exponate zu sehen sein werden.

Informationen online: http://www.compamed.de

Düsseldorf, November 2009

 
 

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