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Labor und Biotechnikum: Künstlich spinnen

Extrem zugfest und gleichzeitig hochelastisch: Spinnenseide fasziniert Materialforscher und Ingenieure. Der Traum, das Biomaterial künstlich herzustellen, ist inzwischen in greifbare Nähe gerückt. 14.05.2008

Vliesstoffe, Kugeln und Folien aus Seidenprotein lassen sich bereits produzieren. Das Spinnen von Seidenfäden aber bleibt schwierig. Über die biotechnische Herstellung von Seide und deren Anwendungen berichtet die aktuelle Ausgabe der "Nachrichten aus der Chemie".

Wie lässt sich am besten Spinnenseide industriell im großen Maßstab produzieren? Jedenfalls nicht mit Spinnentieren - deren kannibalische Veranlagung steht dem Vorhaben entgegen. Die Forscher nutzen daher gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie Bakterien der Art Escherichia coli. Dazu geben Biotechniker die Erbinformationen für das Spinnenseidenprotein in die Bakterien, die sich dann in Bioreaktoren vermehren und das Seidenprotein produzieren. Anschließend lässt sich diese Rohseide zu Vliesstoffen und Folien, zu Kugeln und Kapseln verarbeiten.

Solcherart künstlich hergestellte Seidenmaterialien sollen bald Einzug ins Alltagsleben halten, und zwar auch außerhalb der Textilbranche: Folien aus Seidenprotein ließen sich nutzen wie Kunststofffolien aus PVC oder PE, sie besitzen aber eine bessere Luft- und Wasserdampfdurchlässigkeit. Als biologisch abbaubare Transporter von Medikamenten bieten sich Seidenkapseln an, die den Wirkstoff bis zu seiner Freisetzung im Körper schützen. In der Medizin schließlich laufen Studien mit Spinnenseide für die Rekonstruktion von Nerven.

COMPAMED.de; Quelle: Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

 
 

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