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Große Resonanz beim Frühjahrsforum
Wie groß das Interesse an allen Aspekten rund um die Entwicklung von Medizintechnik ist, hat auch das COMPAMED Frühjahrsforum gezeigt, das erstmals in diesem Jahr im Juni (19. - 20.6.) in Dortmund stattgefunden hat. 13.07.2007
Die Medizintechnik wird immer intelligenter
Der europäische Dachverband der Medizinprodukte-Industrie Eucomed (Brüssel) schätzt den Weltmarkt für Medizintechnik auf derzeit 184 Milliarden Euro. Davon entfallen über 43 Prozent auf die USA, nahezu 30 Prozent auf Europa und knapp 20 Prozent auf Japan. Nach Angaben der deutschen Branchenverbände für Medizinprodukte und – technologien (ZVEI, SPECTARIS, BVMed) gelingt es den mehr als 1.200 inländischen Herstellern für Medizintechnik vor allem auf Grund eines robusten Exportgeschäftes steigende Umsätze von zuletzt rund neun Prozent zu realisieren. Innovative Verfahren und Produkte „made in Germany“ sind im Ausland so stark gefragt, dass der Anteil des Auslandsumsatzes der Hersteller bei über 60 Prozent liegt und zuletzt um fast 17 Prozent zugelegt hat.
Im internationalen Vergleich gilt es also insbesondere, sich über die Produktentwicklung von der Konkurrenz über einen höheren Innovationsgrad abzusetzen. In diesem Zusammenhang gebührt den Zulieferern der medizintechnischen Industrie eine Schlüsselrolle als Schrittmacher des Fortschritts. Und deshalb gewinnt auch die COMPAMED in Düsseldorf, die führende internationale Fachmesse für die medizinische Zuliefererbranche und Produktentwicklung (in Parallelität zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA), immer weiter an Bedeutung. Sie konnte zuletzt ihre Besucher- und Ausstellerzahlen deutlich steigern (2006: 13.000 Fachbesucher, 320 Aussteller aus 25 Nationen).
Wie groß das Interesse an allen Aspekten rund um die Entwicklung von Medizintechnik ist, hat auch das COMPAMED Frühjahrsforum gezeigt, das erstmals in diesem Jahr im Juni (19. - 20.6.) in Dortmund stattgefunden hat. Zu der Veranstaltung, die von der Messe Düsseldorf und dem Fachverband für Mikrotechnik (IVAM) gemeinsam organisiert wurde, waren über 100 Vertreter aus Wissenschaft und Industrie nach Dortmund gekommen. Sie informierten sich über die aktuellen Entwicklungen insbesondere in den Bereichen Mikro- und Nanotechnik. Die meisten Innovationen in der Medizintechnik finden in diesem Feld der kleinen und kleinsten Systeme statt.
Wenn der „Arzt“ in der Jacke sitzt
Aus diesem Grund spielen sie auch im 6. Rahmenprogramm der EU eine große Rolle und werden genauso im Nachfolgeprogramm, das in diesem Jahr beginnt, fest verankert sein. Ein wichtiger Forschungsansatz sind etwa „Smart Fabrics and Interactive Textiles“ (SFIT, Intelligente Gewebe und interaktive Textilien). In diesem Markt sind bereits zahlreiche Unternehmen tätig. Das Marktvolumen betrug 2006 schon 340 Millionen Dollar und soll sich bis 2008 auf 720 Millionen mehr als verdoppeln. „Wir verfolgen eine Vision für e-Textilien, bei denen Sensorik, Verarbeitung, Stellelemente, Kommunikation und Energiegewinnung in die Gewebestruktur integriert sind“, erklärt Thomas J. Sommer, in der Europäischen Kommission für Mikrosysteme zuständig. Damit wird es möglich, über spezielle Hemden oder Jacken physiologische Parameter wie Blutdruck, Sauerstoffgehalt im Blut, Schweißbildung, Hauttemperatur oder Herzimpulse permanent zu messen und zu überwachen, was für viele Risikogruppen von großem Vorteil wäre. Für die Funktionalität der Elektronik, die direkt am Körper getragen werden muss, ist die Realisierung dehnbarer Systeme zwingend, die hochflexibel auf Körperbewegungen reagieren können. Erste Prototypen derartiger Kleidung sind bereits vorgestellt worden.
Nicht am Körper, sondern im Körper sollen Transponder basierte Mikrosysteme zum Einsatz kommen, die das Institut für Werkstoffe der Elektrotechnik 1 an der RWTH Aachen entwickelt. „Voraussetzungen dafür ist die Integration von mehr Funktionen auf kleinstem Raum, ein geringer Energieverbrauch und eine drahtlose Übertragung von Daten und Energie, also auch der Wegfall von Batterien“, bemerkt Dr. Uwe Schnakenberg von der RWTH. Inzwischen stehen verschiedene Ausführungen zur Verfügung, um zum Beispiel vor Ort den Blutdruck zu messen oder Aneurysmen, also krankhafte Gefäßerweiterungen, zu detektieren. Sogar ein Implantat für die Retina des menschlichen Auges ist inzwischen serienreif. Erblindete, die ihr Sehvermögen durch eine Netzhauterkrankung verloren haben, können deshalb hoffen. Mittels einer lernfähigen Sehprothese, einem so genannten Retina Implant, könnten sie künftig Form und Position größerer Objekte erkennen. Teil der neuartigen Sehhilfe ist eine Hightech-Brille, in die eine winzige Videokamera und ein Encoder integriert sind. Dieser rechnet die Bildinformation der Kamera in nerventaugliche Signale um und sendet sie an einen Empfängerchip, der in die Augenlinse implantiert wird. Von dort werden die Bildsignale auf eine Mikrokontaktfolie übertragen, die der Netzhaut aufliegt und die zum Sehnerv führenden Nervenzellen stimuliert. Das Retina Implant ist sogar lernfähig: Durch ein Training lässt sich die Sehwahrnehmung optimieren.
Boom für Mikropumpen
Kein Zweifel, der Trend zur Miniaturisierung ist ungebrochen: Benötigt werden Systeme, die kleiner, leichter und mobiler sind als bisherige Lösungen. Diesen Anforderungen genügt mit Sicherheit die Mikropumpe, die von Bartels Mikrotechnik GmbH entwickelt wurde. „Mikro bedeutet für uns eine miniaturisierte Baugröße, minimale Energieaufnahme, die Verwendung neuartiger Antriebsverfahren und nicht zuletzt mikrotechnische Herstellverfahren“, unterstreicht Dr. Ulrike Michelsen von Bartels. Die Produktion der Pumpe benötigt gleich drei dieser Verfahren: den Spritzguss, der günstig und etabliert ist, das Laserschneiden, das extrem präzise funktioniert, und das Laserschweißen, das ohne Zusatzmaterialien verbindet. Dabei besteht das Bauteil komplett aus Kunststoff und kann vielfältig außerhalb des Körpers unter anderem zur Infusion, zur Dosierung von Medikamenten, zur Diagnostik, zum Pumpen oder zur künstlichen Befruchtung verwendet werden. Erste intrakorporale Einsatzmöglichkeiten ergeben sich bei der Medikamentendosierung und beim künstlichen Schließmuskel. Die Nexus Marktanalyse erwartet, dass Umsätze mit Mikropumpen in der Medizintechnik von 50.000 Dollar in 2004 auf 24 Millionen Dollar in 2009 ansteigen werden.
Gerade in den kleinen Dimensionen werden Materialien und Herstellungsverfahren immer wichtiger, um kostengünstige Serienfertigungen zu ermöglichen. „Mit dem Einsatz extrem feiner Metallpulver und angepassten Bindersystemen, speziellen Wachsen und Polymeren, ist zum Beispiel der Mikro-Spritzguss für Metalle möglich“, erklärt Dr. Thorsten Plaggenborg vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angwandte Materialforschung (IFAM) in Bremen. Beide Komponenten werden innig gemischt und anschließend dem Spritzgusswerkzeug zugeführt. Abschließend wird der Binder entfernt und gesintert. Auf diesem Wege lassen sich Mikrobauteile wie Mischer und Reaktoren, aber auch Herzklappenringe oder Implantate fertigen.
Nach den Daten der vom BMBF in Auftrag gegebenen „Studie zur Situation der Medizintechnik in Deutschland im internationalen Vergleich“ (2005) hält Deutschland bei den Patenten in der Medizintechnik den zweiten Platz hinter den USA. Deutsche Medizintechnik-Unternehmen erzielen mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit Produkten, die weniger als zwei Jahre alt sind. Dieses Innovationspotenzial zahlt sich auch in einem hohen Anteil am Welthandel für medizintechnische Produkte aus, bei dem Deutschland nur noch von den USA übertroffen wird. Bei den wissenschaftlichen Veröffentlichungen hält Deutschland abhängig vom Themengebiet international einen Anteil zwischen fünf und 20 Prozent.
In diesem Sinne wird die bevorstehende COMPAMED 2007, die in diesem Jahr erstmals mit ihren über 350 Ausstellern neben der Halle 8a auch die neue Halle 8b des Düsseldorfer Messegeländes beziehen wird, also wieder zum Schaufenster für medizintechnische Entwicklungen „made in Germany“. Wie diese Entwicklungen die Güte und Leistungsmerkmale der medizinischen Endprodukte und –systeme verbessern helfen, kann parallel zur COMPAMED im Rahmen der MEDICA 2007 und ihrer über 4.000 Aussteller aus 65 Nationen „bewundert“ werden.
Informationen zu den Veranstaltungen, zu Ausstellern und ihren Produkten sind abrufbar über das Internet unter: http://www.compamed.de und http://www.medica.de












