Zulieferer wechseln wieder auf die Überholspur

Zahlreiche Innovationen belegen, dass die Aussteller zur COMPAMED 2010 – High tech solutions for medical technology (in den Hallen 8a und 8b) zur "Hochform" auflaufen werden.

Das gilt zum Beispiel für den Bereich der medizinischen Sensorik. So präsentiert das CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik (Erfurt) mit seinen Partnern Audia Akustik (Sömmerda) und dem Helmholtz-Institut für Biomedizinische Technik der RWTH Aachen bei der COMPAMED ein Im-Ohr-Sensorsystem für Vitalparametermessungen, das eine neuartige Lösung für die Diagnose kardiovaskulärer Erkrankungen darstellt. Im Gegensatz zur bisher nur punktuell möglichen Messung relevanter Vitalparameter (Puls- und Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Atemfrequenz bei Belastung) erlaubt das miniaturisierte System im Format eines Im-Ohr-Hörgerätes die kontinuierliche Messung dieser Parameter ohne die Belastung bzw. Einschränkung der Bewegung durch bisher übliche tragbare Geräte. Kern des Systems ist ein optischer Sensorchip, der über zwei Wellenlängen die Blutmenge und Sauerstoffsättigung im äußeren Gehörgang bestimmt, der sich durch die hohe Gefäßdichte besonders eignet. Mittels Signalverarbeitung werden aus den niederfrequenten Signalschwankungen zudem die Herz- und Pulsfrequenz extrahiert. Das System wurde mit dem Innovationspreis des AMA Fachverbandes für Sensorik 2010 ausgezeichnet. „Die Lösung zeigt, dass erst die Kombination von Sensorik und Messtechnik ein überzeugendes Ergebnis liefert“, konstatiert Dr. Thomas Simmons, Geschäftsführer des AMA. Neben dem Monitoring von Vitalparametern entwickelt und fertigt CiS Sensoren zur Bestimmung des Blutzuckergehaltes, der lokalen Hautimpedanz und von Kräften in Kathederspitzen.

Das CiS Forschungsinstitut zeigt seine Sensor-Kompetenz im Rahmen des IVAM-Gemeinschaftsstandes (Halle 8a), der mit 38 Instituten und Unternehmen bereits voll ausgebucht ist. Der Fachverband für Mikrotechnik deckt mit einem Produktmarkt „High-tech for Medical Devices“ eine große Bandbreite in der Mikro- und Nanotechnologie ab, die von Kunststoff- und Keramikkomponenten über die Oberflächen- und Materialanalyse bis hin zu medizinischen Implantaten reicht. Dabei stoßen Wissenschaft und Technik in immer kleinere Dimensionen vor – bei der Alicona Imaging GmbH sind es gerade noch zehn Nanometer. Das Unternehmen aus dem österreichischen Grambach (bei Graz) hat unter der Bezeichnung InfiniteFocus ein hochauflösendes 3D-Oberflächenmesssystem für Labor und Produktion entwickelt. Im Bereich der Medizintechnik wird das Messgerät unter anderem zur Qualitätssicherung von Zahnimplantaten eingesetzt. Dabei ist vor allem die flächenhafte und vollständige Messung der Rauheit entscheidend. Sie hat wesentlichen Einfluss darauf, wie schnell und dauerhaft das Implantat mit dem Kieferknochen verwächst. Wichtig ist, dass die Rauheit auch am Gewindegrund gemessen werden kann. InfiniteFocus erzielt auch bei steilen Flanken hochauflösende Ergebnisse. Das ermöglicht die wiederholgenaue und rückführbare Rauheitsmessung selbst am Gewindegrund von Komponenten. Anwender erzielen Ergebnisse in einer vertikalen Auflösung von bis zu zehn Nanometern. „Wir erhalten immer mehr Anfragen gerade aus der Medizinindustrie“, freut sich Dr. Stefan Scherer, Geschäftsführer von Alicona und ergänzt: „Nicht nur Hersteller von Implantaten aus der Dentalindustrie und Hersteller von künstlichen Knie- und Hüftgelenken wenden sich an uns, sondern auch Anbieter von chirurgischen Instrumenten wie Knochenbohrern und –fräsern setzen unser System verstärkt zur Qualitätssicherung ein.“

Das weltweit kleinste Präzisionsgetriebe
Um Nanometer – allerdings in der Positionierung - geht es auch bei der Micromotion GmbH. Die Mainzer stellen mikromechanische Bauteile sowie die weltkleinsten spielfreien Präzisionsgetriebe und -antriebe für lineare und rotative Positionieraufgaben her. Das kompakte Design und die hohe Leistungsdichte dieser Produkte sind eine ideale Basis für anspruchsvolle Anwendungen in der Medizintechnik. Die via LIGA-Technologie hergestellten mikromechanischen Bauteile finden ihre Anwendung als miniaturisierte Stellmechanismen in Applikationen wie Endoskopen. Integriert zu vollständig gekapselten Mikrogetrieben, werden sie unter extremen Umgebungsbedingen eingesetzt (UHV- oder sterilisierbare Anwendungen). Als hochpräzise Mehrachspositioniersysteme kleinsten Bauraums bewältigen sie in der Mikroskopie Positionieraufgaben mit Auflösungen im unteren Nanometer-Bereich.

Ein Dauerthema im Rahmen der COMPAMED bleiben Electronic Manufacturing Services (EMS), die die komplette Auftragsfertigung von elektronischen Baugruppen, Geräten und Systemen umfassen. Entsprechende Dienstleistungen reichen von der Entwicklung über die Leiterplattenbestückung bis hin zu Qualitätskontrolle und weltweiter Auslieferung. Spezialist auf diesem Gebiet ist die ECR AG (Rotkreuz, Schweiz), die hochwertige elektronische Baugruppen produziert sowie die Endmontage und Prüfung technisch komplexer Geräte übernimmt. Dank hoher Qualität und Zuverlässigkeit werden die Baugruppen und Geräte weltweit zu rund 60 Prozent in der Medizintechnik eingesetzt. ECR AG produziert nach Kundenwunsch vom Einzelstück bis zur mittelgroßen Serie und unterstützt ihre Kunden in der Produktentwicklung, bei Design und Layout bis hin zur „End of Life“-Phase. Die Stärken liegen in den Bestückungstechnologien SMT (Surface-mount Technology) und THT (Through Hole Technology) auf flexiblen, starrflexiblen und starren Leiterplatten. Während des gesamten Produktlebenszyklus stellt das Life Cycle Management (LCM) die Optimierung und Verfügbarkeit der Baugruppen sicher. Eine umfangreiche Qualitätssicherung in allen Fertigungsphasen sowie umfassende Tests mit verschiedensten Prüfsystemen garantieren einwandfreie und sofort einsetzbare Baugruppen und Geräte.

Folien, Beutel, Schläuche, Verpackungen – die Anwendungspalette von extrudierten und blasgeformten Produkten in der Medizintechnik nimmt stetig zu. Die Gründe für diese Entwicklung liegen in den verbesserten Barriereeigenschaften, biokompatiblen Materialien und optimierten Fertigungsverfahren. Deshalb konnten beispielsweise TPE (Thermoplastische Elastomere), Silikonkautschuke und Polyolefine neue Anwendungen erobern. Geeignet sind die Kunststoffe sowohl für das Verfahren der Mikroextrusion und der Mehrschichtextrusion, wie sie u.a. für Katheter zum Einsatz kommen. Für verschiedenste medizinische Zwecke stehen auch Mehrlumenkatheder zur Verfügung, wie sie die Raumedic AG (Helmbrechts) anbietet. Diese Katheder mit mehreren nebeneinander liegen Hohlräumen (Kanälen) erfüllen wichtige Dienste bei Ernährung, Drainage, Dilatation, Embolektomie (Blutgerinnselentfernung), Urologie, Diagnostik und Dialyse. Die besondere Katheter-Form ermöglicht es dem Arzt, durch einen Kanal zum Beispiel Flüssigkeiten wie Kontrastmittel oder Spülflüssigkeit in den Körper einzuleiten und über den anderen Kanal spezielle Instrumente vorzuschieben. Auch in diesem Bereich wird die COMPAMED die neuesten Entwicklungen wie Folien-Mehrschichtextrusion oder innovative Gleitbeschichtungen für Katheder präsentieren.

Große Fortschritte in der minimal invasiven Medizin
Die minimal-invasive Medizin hat in nur 15 Jahren zu revolutionären Veränderungen innerhalb des Gesundheitswesens geführt. Die großen Fortschritte vor allem in der „Schlüsselloch“-Chirurgie erlauben es, einen ständig wachsenden Anteil von Eingriffen und therapeutischen Maßnahmen auf diese Weise durchzuführen. Die Vorteile sind beeindruckend: Verkürzte OP- und Liegezeiten, schnellere Heilungsprozesse, rasche Wiederaufnahme der häuslichen und beruflichen Aktivitäten und der sportlichen Betätigung sowie bessere kosmetische Ergebnisse sind nur einige Pluspunkte. Die hohe Akzeptanz dieser Methodik durch die Patienten auf Grund der geringeren Belastung und die nachweisbaren Einsparungsmöglichkeiten lassen eine weitere Ausweitung des Indikationsspektrums und ein hohes Wachstumspotential für die dafür erforderlichen Techniken und Geräte in den nächsten Jahren erwarten. Das macht die minimal-invasive Medizin auch zum „Dauerbrenner“-Thema bei der COMPAMED. Vom Lohnfertiger zum Spezialisten und Systemlieferanten in der Herstellung von medizinischen Instrumenten für die Endoskopie ist etwa die Trokamed GmbH (Geisingen) aufgestiegen. Die Entwicklung und Fertigung von Geräten und Zubehör deckt mittlerweile den gesamten endoskopisch-operativen Bereich vollständig ab. „Das Ergebnis sind medizinische Instrumente, die durch leichte Zerlegbarkeit, minimale Verschleißempfindlichkeit und maximale Bedienerfreundlichkeit überzeugen“, erklärt Karlheinz Tröndle, Geschäftsführer der Trokamed.

Potenziale für intelligente Assistenzsysteme
Intelligente Assistenzsysteme bieten Einsparpotenziale im Gesundheits- und Pflegebereich in Millionenhöhe. Deshalb wächst der globale Markt allein für telemedizinische Systeme nach einer Prognose von BCC Research auf jährlich rund elf Milliarden Euro bis 2012. Derartige Lösungen können zum Beispiel Herz-Kreislauf- und Diabetes-Kranken helfen, die die deutsche Volkswirtschaft mit jährlich 60 Milliarden Euro belasten - Tendenz steigend. Ein Großteil der Milliarden-Aufwendungen verteilt sich auf die Kosten im stationären und teilstationären Bereich. Sie lassen sich durch Telemonitoring-Systeme deutlich verringern. Auf diese Weise können beispielsweise die Aufwendungen für die Versorgung der über 1,8 Millionen Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz um 30 Prozent jährlich senken, das zeigen erste Studien und Modellrechnungen. Telemonitoring-Systeme bestehen aus medizinischen Sensoren und einer Vielzahl von weiteren Komponenten zur Erfassung und Übertragung der Körperparameter. Hier bietet sich also für die Zulieferer Raum zur Spezialisierung. Entsprechend ihrer wirtschaftlichen Bedeutung gewinnt das Thema Telemedizin und seine technische Umsetzung deshalb sicherlich auch im Rahmen der COMPAMED weiter an Gewicht.

Gerade weil die Branche so innovativ ist, bleibt das Tempo für neue Lösungen und Produkte hoch – das gilt gleichermaßen für Materialien und Komponenten, für Systeme und Geräte.

COMPAMED.de; Quelle: Messe Düsseldorf GmbH