Zielsicherer Pieks für die Anästhesie


In Deutschland werden immer mehr Operationen unter lokaler Betäubung - Lokalanästhesie - durchgeführt. Der Vorteil: Die Patienten sind schneller wieder auf dem Damm, Schwangere oder Asthmatiker verkraften den Eingriff besser. Manchmal weiß der Anästhesist bei der lokalen Betäubung allerdings nicht genau, ob er mit der Injektionsnadel die richtige Stelle getroffen hat. Forscher der Fraunhofer Technologie-Entwicklungsgruppe TEG haben eine neue Bipolarnadel für die Anästhesie hergestellt.

"Mit der Nadel, die in einem EU-Projekt entwickelt wurde, lassen sich Nerven mit schwachem Strom gezielt stimulieren und das Anästhetikum kann punktgenau an den Nerv injiziert werden", erklärt Dr. Urs Schneider von der TEG in Stuttgart. Das Problem war bisher: Wie erzeugt man in einer Injektionsnadel ein gleichmäßiges elektrisches Feld. "Unsere Arbeitsgruppe hat diese Frage durch Feldsimulationen beantwortet. Unsere zweiteilige Nadel hat eine innere Schicht die leitend ist, die äußere Hülle fungiert als zweiter Pol, dazwischen liegt eine Isolierschicht." Derzeit überarbeiten die Forscher die Beschichtung der Bipolarnadel die als Prototyp vorliegt. Ende nächsten Jahres könnte sie bereits im Praxisalltag eingesetzt werden.

Auch die Spinalanästhesie ist eine Form der lokalen Betäubung. Die Nadel, mit der das Betäubungsmittel eingespritzt wird, muss besondere Anforderungen erfüllen: Beim Stechen durch die Dornfortsätze der Lendenwirbel leisten die Bänder und Rückenmarkshäute einen Widerstand, der mit dem Gefühl des Durchstechens eines Radiergummis vergleichbar ist. Vor allem bei älteren Menschen behindern verknöcherte Bänder und Rückenmarkshäute das Vorschieben der Nadel.

15 Partner aus ganz Europa haben jetzt eine neue Nadel für die Spinalanästhesie entwickelt. "Bisher war die Steifigkeit der Nadelspitze ein Problem. Es war für die Ärzte oft schwer, den optimalen Einstichkanal zu finden. Durch einen neuen Umformungsprozess erreichen wir eine verbesserte Form: Der vordere Teil der Nadel verjüngt sich, die Spitze ist flexibler als der Rest", erläutert Dr. Schneider die Vorteile der Entwicklung. Besonders die Bruchgefahr, ein Risiko für den Patienten, wird dadurch minimiert.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft