Beatmung: Zertifizierung verbessert Patientenversorgung

24.09.2013

Intensivstationen unter anästhesiolo-
gischer Leitung können das neue Zer-
tifikat erhalten, wenn sie einen Anfor-
derungskatalog sowie die Auditkrite-
rien erfüllen; © panthermedia.net/
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Jährlich werden über 370.000 Intensivpatienten vorübergehend beatmet. Die Entwöhnung von der künstlichen Beatmung, das so genannte Weaning, verläuft in den meisten Fällen reibungslos. Bei schwerkranken Patienten können nach längerer Beatmungsdauer jedoch Komplikationen auftreten.

Um die Versorgung dieser Patienten zu verbessern, zertifiziert die Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) seit Kurzem erstmals Intensivstationen.

Auf Intensivstationen werden jährlich über zwei Millionen Patienten behandelt. Etwa 18 Prozent von ihnen brauchen zeitweise eine künstliche Beatmung. Nach einer kurzen Beatmungsdauer, wie bei einer Operation und bei einer intakten Lungenfunktion ist es meist unproblematisch, den Patienten von der Beatmung zu entwöhnen. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten ist der Entwöhnungsprozess schwieriger. Meist handelt es sich hierbei um schwerkranke Patienten, die über einen längeren Zeitraum künstlich beatmet wurden. Daher ist ihre Atemmuskulatur geschwächt und sie können nicht selbständig atmen. Um diese Patienten vom Beatmungsgerät zu entwöhnen, ist eine besondere Versorgung notwendig.

Daher vergibt die DGAI seit Mai dieses Jahres erstmals das Zertifikat „Entwöhnung von der Beatmung“. „Die Sicherung der Qualität in der Intensivmedizin ist langjähriger, zentraler Fokus der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin“, hebt der DGAI-Präsident Prof. Christian Werner die Intention für die Zertifizierung hervor. Fachabteilungen mit Intensivstationen unter anästhesiologischer Leitung können das neue Zertifikat erhalten, wenn sie einen Anforderungskatalog sowie die Auditkriterien erfüllen.

„An die teilnehmenden Kliniken werden höchste Anforderungen bezüglich Qualität und Präsenz des ärztlichen Personals sowie der technischen Ausstattung gestellt“, betont Prof. Gernot Marx, Direktor der Klinik für Operative Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen und erster Sprecher des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Intensivmedizin der DGAI. Das Zertifikat ist drei Jahre nach der Erstzertifizierung gültig. Im Anschluss muss eine Rezertifizierung erfolgen. Jährliche interne Audits sind obligatorisch, um die Abläufe auf den Weaning-Stationen kontinuierlich überprüfen und optimieren zu können.

Beim Weaning wird entweder der Druck des Beatmungsgerätes sukzessive gesenkt oder der Patient wird unter ärztlicher Aufsicht für einen kurzen Zeitraum vollständig von der Maschine getrennt. So lernt er, wieder selbst zu atmen. Der Entwöhnungsprozess hängt unter anderem von der Grunderkrankung des Patienten ab und kann bis zu mehreren Wochen dauern. „Um die bestmögliche Versorgung der Patienten zu gewährleisten, stellt die DGAI hohe Anforderungen an die zertifizierten Kliniken“, erklärt Werner.

Anhand einer Mindestanzahl von Patienten müssen sie ihre umfangreiche Erfahrung im Bereich des Weaning nachweisen. Zudem ist ein detailliertes Qualitätsmanagement unerlässlich. Auf der Intensivstation soll eine engmaschige Prüfung der Organfunktionen erfolgen. Diese müssen, falls notwendig, maschinell unterstützt bzw. ersetzt werden können. Zusätzlich werden spezielle räumliche und technische Voraussetzungen gefordert.

Wichtig ist, dass das ärztliche und pflegerische Personal über eine besondere Expertise in der Beatmungsentwöhnung verfügt. Bestandteile der Behandlung sollten Physiotherapie und möglichst Logo-/Ergotherapie sowie eine psychologische Betreuung sein.

COMPAMED.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und lntensivmedizin e. V.