Wirkung desinfizierender Waschverfahren überprüfen

Ob Waschverfahren Viren wirkungsvoll abtöten, wird bislang ausschließlich im Reagenzglas kontrolliert. Die Notwendigkeit einer praxisnahen Prüfung ist angesichts der aktuellen Zahlen von Viruserkrankungen unbestritten. So nehmen beispielsweise Infektionen des Magen-Darm-Traktes, insbesondere Norovirus-Erkrankungen, in Deutschland konstant zu. Diese betreffen vor allem Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime

Da humane Noroviren im Labor nicht kultivierbar sind, brachten die Hohensteiner Wissenschaftler einen dem Norovirus vergleichbaren Erreger, den Phagen MS2, auf kleine Baumwoll-Lappen auf und wuschen diese unter praxisnahen Bedingungen. Zum Einsatz kam dabei ein desinfizierendes Waschverfahren im Niedrigtemperaturbereich von 40°C, bei dem man eine thermische Inaktivierung nicht per se erwarten kann. Um realistische Bedingungen zu simulieren, wurde das Virus in Form einer organischen Verschmutzung (künstlicher Kot) auf Alten- und Pflegeheimwäsche aufgebracht. Mit Hilfe des Prüfvirus war es möglich, das Waschverfahren im Hinblick auf seine keimabtötende Wirkung zu kontrollieren.

Darüber hinaus führte das Institut für Hygiene und Biotechnologie weitere umfangreiche Analysen zur Kultivierbarkeit, Nachweisspezifität, Stabilität und Desinfizierbarkeit durch, welche die Praktikabilität des Phagen MS2 als Norovirus-Ersatz unterstreichen.

Die Untersuchungen des IHB zeigen, dass sich virale Bioindikatoren mit Bakterienviren wie MS2 als Prüfinstrument eignen.

COMPAMED.de; Quelle: Hohenstein Institute