Wirksame Anreize für Spendebereitschaft

Für ihre Analyse machten sich die Verhaltensökonomen Nicola Lacetera und Mario Macis eine Besonderheit der italienischen Gesetzgebung zunutze, die freiwilligen Spendern einen arbeitsfreien Tag für jede Blutspende gewährt. Die Kosten werden dem Arbeitgeber vom Staat erstattet. Anders als bei finanziellen Aufwandsentschädigungen kommt diese Regelung also nur abhängig Beschäftigten zugute. Inwiefern sich eine Änderung des Beschäftigungsstatus - vor allem der Wechsel von der Nichtbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt - auf die Spendebereitschaft auswirkt, konnten die Autoren der Studie anhand von Daten zu mehr als 2.500 Blutspendern einer italienischen Stadt aus den Jahren 1985-1989 und 2002-2006 ermitteln.

Das Ergebnis: Wer einen Anspruch auf Freizeitausgleich für jede Blutspende erwirbt, spendet durchschnittlich um rund 30 Prozent häufiger als vorher. Kritiker beklagen hingegen die hohen Kosten des bezahlten Sonderurlaubs auch für solche Spender, die gar keine Entschädigung verlangt hätten. Allerdings fanden die Forscher heraus, dass die meisten Blutspenden an Samstagen, also außerhalb der Arbeitszeit, geleistet werden. Das führen die Ökonomen zum einen auf die rein altruistische Motivation vieler Spender zurück.

Zum anderen ist für Selbstständige oder Mitarbeiter kleinerer Betriebe die Unabkömmlichkeit am Arbeitsplatz ein wichtiger Grund, auf den freien Tag zu verzichten. Denn wie die Studie ergab, zählen zu den "Nutzenmaximierern", die bevorzugt freitags oder montags spendeten, um in den Genuss ein verlängerten Wochenendes zu kommen, überwiegend Angestellte von Großunternehmen mit umfangreichem Kündigungsschutz.

Insgesamt ist eine Kombination aus nicht-monetären Anreizen am besten geeignet, dem Blutkonservenmangel entgegen zu wirken. Umgekehrt warnen die Wissenschaftler davor, das Spendenaufkommen allein durch eine höhere finanzielle Aufwandsentschädigung steigern zu wollen. Denn dadurch würde man all jene abschrecken, die nicht des Geldes wegen Blut spenden.

COMPAMED.de; Quelle: Institut zur Zukunft der Arbeit