Winzige Partikelpost mit heilender Fracht

Der Immunologe und Medizin-Nobelpreisträger Paul Ehrlich (1854-1915) hatte bereits die Vision, Wirkstoffe nicht einfach im ganzen Körper zu verteilen, sondern genau dorthin zu bugsieren, wo sie gebraucht werden. Er verglich diese Substanzen mit „Zauberkugeln“.

Diesem Traum ist eine Forschergruppe der Universität Bonn, der Technischen Universität München, der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt Berlin ein großes Stück näher gekommen. „Wir haben Methoden entwickelt, wie sich mit Nanopartikeln Gene und Zellen im Körper gezielt an den Bestimmungsort bringen lassen“, berichtet Professor Alexander Pfeifer von der Universität Bonn.

Dieses Kunststück geschieht mit unsichtbaren Kräften scheinbar wie von Zauberhand – mithilfe von Magneten. „Damit lassen sich Gene oder lebende Zellen genau platzieren, wenn sie vorher mittels magnetischer Nanopartikel magnetisiert wurden“, sagt Doktor Katrin Zimmermann. So nehmen etwa therapeutisch einsetzbare Zellen die magnetischen Nanopartikel auf und werden dadurch selbst magnetisch. Darüber hinaus können Viren als Genfähren ebenfalls an die winzigen Magnetpartikel gekoppelt werden. Mit den eingeschleusten Genen lassen sich krankhafte Zellen umprogrammieren.

Die „Briefträger“ für die Wirkstoffpost bestehen aus winzigen magnetischen Eisenoxiden mit unterschiedlicher Hülle von 20 bis 50 Nanometern (Tausendstel Millimeter) Durchmesser, die unschädlich für Zellen sind. Ein Magnet, der sich außen am Körper befindet, leitet die Partikel zum gewünschten Ort oder Organ.

Bislang sind die Patienten keine Menschen, sondern Mäuse. Die Wissenschaftler zeigten zum Beispiel an den Tieren, dass sich mit dieser Technologie etwa Zellen oder Genfähren gezielt zu verletztem Gewebe schleusen lassen. „Der Magnet sorgt zusammen mit den Nanopartikeln dafür, dass die Zellen, Wirkstoffe oder Viren am gewünschten Ort haften bleiben“, berichtet Pfeifer. Spritzt man die Zellen oder Genfähren dagegen ohne Nanopartikel direkt in das Herz oder die Gefäße, werden sie vom Blutstrom einfach weggespült.

Mit der Nanomethode lassen sich vielleicht auch einmal bei Arteriosklerose die gefürchteten Ablagerungen behandeln, indem entsprechende Wirksubstanzen direkt in den Blutgefäßen an die Plaques herangeführt werden, wo sie ihre heilende Wirkung entfalten. Die beteiligten Forscher wollen mit den Nanopartikeln auch Nebenwirkungen reduzieren, weil damit die Substanzen nicht im ganzen Körper verteilt werden und unerwünschte Reaktionen auslösen. Auch bei Tumorerkrankungen suchen Wissenschaftler fieberhaft nach Wegen, wie die häufig mit starken Nebenwirkungen verbundenen Chemotherapeutika ausschließlich auf das Krebsgeschwür wirken.

COMPAMED.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn