Weitere Verbesserungen in Deutschland

Praxisnahe und interdisziplinäre Studiengänge sowie flexible Forschungsförderung und Private Public Partnerships (PPP) sind dabei nach Einschätzung der Fachleute besonders wichtig.

Werkstofftechnologien sind Schlüsseltechnologien: Mehr als zwei Drittel aller neuen Produkte basieren auf neuartigen Materialien.
Rund eine Billion Euro jährlich setzen die werkstoffbasierten Branchen (ohne Bausektor) alleine in Deutschland um; fünf Millionen Menschen sind in diesem Industriezweig beschäftigt.

Doch Werkstoffe sind im Produkt meist nicht sichtbar - einer der Gründe für die von Experten oft beklagte mangelnde öffentliche Wahrnehmung. "Obwohl Werkstoffe im täglichen Umfeld eher unspektakulär erscheinen, sind sie die Voraussetzung für die Entwicklung unserer Welt", sagt Hartwig Höcker, Leiter des acatech-Themennetzwerkes Werkstoffe und emeritierter Professor an der RWTH Aachen.

Hartwig Höcker fordert nicht nur eine bessere Vermittlung in der Öffentlichkeit, sondern konkrete Maßnahmen für die Disziplin selbst: "Werkstoffwissenschaftliche Studiengänge müssen interdisziplinär, produktorientiert, und attraktiv gestaltet werden." Flexible Forschungsförderungsmodelle und Private Public Partnerships (PPP) sollten darüber hinaus den Austausch zwischen Industrie und Wissenschaft verbessern.

Wie eine erfolgreiche Privat-Public-Partnership (PPP) zwischen Forschung, Politik und Wirtschaft aussehen kann, erläutert Pieter J. Lemstra, Professor für Polymertechnologie an der Technischen Universität Eindhoven und langjähriger wissenschaftlicher Leiter des niederländischen Dutch Polymer Institute (DPI): Unter Beteiligung von 30 Forschungseinrichtungen und 36 Firmen verbindet das erst 1997 gegründete DPI das Know-how der beteiligten Forschungsgruppen mit dem Innova-tionsbedarf der Industrie. Das DPI ist eines von vier "Leading Technological Institutes" (LTT's), die 1995 unter Beratung der niederländischen Akademie der Wissenschaften projektiert wurden. Den Erfolg dieser Institute ermöglichte ein Finanzierungsmodell, das für alle Partner attraktiv ist: Die Industrie und Forschungsinstitute beteiligen sich zu gleichen Teilen. Das Wirtschaftsministerium verdoppelt nochmals die Summe und gibt so einen starken Anreiz für Industriepartner, sich an den Forschungsprojekten zu beteiligen.

COMPAMED.de; Quelle: Deutsche Akademie der Technikwissenschaften