Vorhänge, die Lärm schlucken

Lärm nervt. Er stört die Kommunikation, vermindert die Arbeitsleistung und macht müde – in Extremfällen gar krank. In Räumen, in denen Menschen arbeiten, miteinander reden oder sich erholen wollen, sind deshalb schallabsorbierende Flächen notwendig. Sie verkürzen den Nachhall und machen die Räume dadurch ruhiger. Sogenannte schallharte Materialien wie Glas und Beton, die häufig in der Innenarchitektur verwendet werden, absorbieren Schall allerdings kaum. Häufig als Schallabsorber eingesetzt werden schwere Vorhänge, etwa aus Samt. Leichte und transparente Vorhänge sind dagegen akustisch praktisch wirkungslos. Zumindest bislang. Gemeinsam mit einer Seidenweberei und einer Textildesignerin haben Forschende ein neues Gewebe für leichte und trotzdem schallabsorbierende Vorhänge entwickelt.

„Akustiker staunen nicht schlecht, wenn sie die entsprechenden Kennwerte sehen, die wir mit den neuen Vorhängen bei Messungen im Hallraum erreicht haben. Der bewertete Schallabsorptionsgrad liegt zwischen 0.5 und 0.6“, so Kurt Eggenschwiler, Leiter der Empa-Abteilung „Akustik/Lärmminderung“. Die neuen Textilien schlucken fünfmal mehr Schall als herkömmliche lichtdurchlässige Vorhänge. Eggenschwiler:

Das erste akustisch optimierte Leichttextil entstand am Computer. Dank dessen Eigenschaften wollten die Empa-Akustiker den Textilfachleuten eine Art Rezept vorgeben, mit dem sich gezielt ein schallschluckendes Gewebe herstellen lassen sollte. Dazu entwickelten sie zunächst ein Rechenmodell, das sowohl die mikroskopische Struktur der Gewebe als auch deren makroskopischen Aufbau abbildet. In Kombination mit unzähligen akustischen Messungen an verschiedenen gewobenen Proben konnten sie das Gewebe Schritt für Schritt akustisch optimieren.


COMPAMED.de; Quelle: Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt