Patienten mit einem Hirntumor werden in aller Regel so schnell wie möglich operiert. Dabei entnimmt der Chirurg vom Zentrum der Wucherung aus beginnend krankhaftes Gewebe, bis der Tumor vollständig entfernt scheint. Leider sind die Krebszellen jedoch schwer zu fassen: Sie wandern oft weit in benachbartes gesundes Gehirngewebe ein. Daher verbleiben nach der Operation praktisch immer einige bösartige Zellen, aus denen dann neue Wucherungen entstehen.

Forscher der Universität Bonn haben diese Residualzellen nun erstmals genauer unter die Lupe genommen. Neben Proben aus der Haupttumormasse haben sie auch kleine angrenzende diagnostische Gewebeproben von 33 Patienten untersucht. "Daraus haben wir dann ganz gezielt die wenigen entarteten Zellen gewonnen, die normalerweise im Patienten verblieben wären", erklärt Professor Björn Scheffler vom Institut für Rekonstruktive Neurobiologie.

Bei der Untersuchung der Zellen machten die Forscher eine erstaunliche Entdeckung: "Die Krebszellen in der Umgebung des Tumors haben ganz andere Eigenschaften als die aus dem Zentrum der Wucherung", sagt Doktor Martin Glas vom Schwerpunkt Klinische Neuroonkologie. "Sie sind zum Beispiel beweglicher, sie bilden andere Rezeptoren, sie reagieren anders auf Bestrahlung oder chemotherapeutische Substanzen."

Möglicherweise erklärt dieser Befund auch die mageren Erfolge gegen den häufigsten bösartigen Hirntumor: Obwohl die Krebserkrankung seit mehr als einem halben Jahrhundert intensiv erforscht wird, ist eine Heilung bislang nicht möglich.

Die neuen Ergebnisse könnten der Medizin helfen, ihr Waffenarsenal gegen die verbleibenden Krebszellen zu schärfen. Bislang wurden Therapien nur an dem entnommenen Tumorgewebe untersucht. Doch selbst wenn ein Medikament den eigentlichen Tumor zerstören kann, muss das nicht auch für die bösartigen Residualzellen gelten.

COMPAMED.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn