Ungewöhnliche Eigenschaft entdeckt

Innerhalb einer Forschergruppe um Juniorprofessor Dirk C. Meyer wird seit circa drei Jahren die strukturellen und elektrischen Eigenschaften verschiedener Materialien erforscht. Eines davon ist Strontiumtitanat (Sr2TiO3), das in der Natur nur äußerst selten zu finden ist und für technische Anwendungen aufwendig synthetisch erzeugt werden muss. Strontiumtitanat gehört zu einer Gruppe von Kristallen, die in ihrer regelmäßigen Struktur dem Mineral Perowskit (Calciumtitantrioxid) ähneln.

Dabei prüften die Festkörperphysiker auch, welche Änderungen der Atomanordnung durch das Anlegen einer elektrischen Spannung auftreten, und welche neuen Materialeigenschaften mit so einer Umordnung verbunden sind. Besonders interessant war, dass sich die Atome der untersuchten Strontiumtitanat-Kristalle durch erneutes Anlegen von Feldern offenbar wieder und wieder umordnen lassen, und zwar nicht erst bei den ansonsten erforderlichen höheren Temperaturen, sondern schon bei Raumtemperatur.

Durch Interferenzmessungen mit Röntgenstrahlen wiesen die Forscher kürzlich präzise nach, dass die Kristallstruktur von Strontiumtitanat tatsächlich gezielt und umkehrbar "geschaltet" werden kann.

Die Umkehrbarkeit so eines Schaltvorgangs rückt möglicherweise gänzlich neue Einsatzmöglichkeiten ins Blickfeld von Forschern und Technikern. So könnte Strontiumtitanat in der Optoelektronik verstärkt Verwendung finden, und es erscheint nun auch möglich, neuartige Datenspeicher, die das reversible Schalten auf kleinstem Raum zur Grundlage haben, zu bauen.

COMPAMED.de; Quelle: Technische Universität Dresden