Foto: Spinne
Spinnenseide ist immens stabil und
elastisch; © Messe Düsseldorf

Vorgestellt werden die Tiere und deren Nutzen von der Klinik für Plastische-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie der Medizinischen Hochschule Hannover. Sarah Strauß behütet die Achtbeiner sorgfältig, die im „Spidersilk Laboratory“ nachgezüchtet werden – dem Artenschutz zuliebe. „Die Spinnenseide ist vielseitig einsetzbar – beispielsweise als Nahtmaterial, zur Nervenregeneration und Wundbehandlung, denn sie ist extrem dehnbar und reißfest“, erklärt die Biologin.

Im Großtiermodell konnte bereits nachgewiesen werden, dass sich die Spinnenseide gut als Matrix für das Tissue Engineering eignet. Sowohl Haut als auch Knorpel lassen sich auf diesem Material züchten.

 
 
Foto: Hände mit Spinnenseide auf Spule
200 bis 500 Meter Seidenfaden können die Weibchen produzieren, die in der Hochschule in 30 bis 40 Quadratmeter großen Räumen leben; © Messe Düsseldorf

Um zerstörte Nervenverbindungen wieder instand zu setzen, mussten bislang Nerven von anderen Körperstellen entnommen werden. Die Spinnenseide macht diesen Schritt überflüssig, denn sie kann die fehlende Stelle der Verbindung ersetzen. Sie dient dabei sozusagen als Leitschiene. Der Vorteil: Der Nerv wächst daran wieder an und die Zellen der Seide bauen sich nach einer Zeit von selbst ab. „Abstoßungen und Allergien konnten bislang nicht beobachtet werden“, betont die Biologin.

Im Labor werden die Arten, die erforscht werden, auch nachgezüchtet, um die sie zu erhalten. „Unser Konzept ist einzigartig“, weiß Strauß. „In den meisten anderen Instituten wird entweder geforscht oder gezüchtet.“ Die Vorfahren der beiden Spinnendamen, die der Gattung Nephila edulis angehören, stammen aus Australien und haben auf dem Weg zur COMPAMED unverhofft Junge zur Welt gebracht, die sie vorsorglich in Kokons gehüllt haben.

Axolotl: Ein Schwanzlurch spendet ein Enzym

Aus tierschutztechnischen Gründen waren die Axolotl – eine Lurchart - zwar nicht dabei – sie gibt es nur als Stofftiere zu sehen, aber auch ihre einmalige Eigenschaft stellt die Hochschule vor. „Die Amphibien beißen sich schon einmal aus Versehen Gliedmaßen ab. Das ist aber kein Drama für die Tiere, denn diese Gliedmaßen wachsen nach“, so Sarah Strauß. Das dafür zuständige Enzym heißt „AmbLOXe“ und wird auch für den Einsatz in der regenerativen Medizin erforscht.

 
 
Foto: Axolotl Stofftier 
Tierische Vorbilder für die
regenerative Medizin;
© Messe Düsseldorf

Da die Klinik unter anderem auf Verbrennungsopfer spezialisiert ist, sieht man dort großes Potenzial: „Wurden Verbrennungen auf der Haut von Mäusen mit dem Enzym AmbLOXe behandelt, war die Wundfläche nach einer Woche wesentlich kleiner als ohne das Protein“, beschreibt Strauß und ergänzt: „Wir konnten eine positive Narbenbildung erkennen – was in Zukunft gerade für Patienten mit hochgradigen Verbrennungen besonders wertvoll sein könnte.“

Am Stand der Hochschule (Halle 8a, Stand D32) können sich Interessierte einen Einblick verschaffen, wie die „Produkte“ der Tiere in der Medizin verarbeitet werden können.

Natascha Mörs
MEDICA.de