Foto: Schutzmantel Haut
Die Haut schützt uns vor Krankheits-
erregern; © SXC

Nanopartikel, die Medikamente durch die biologischen Barrieren des Körpers an ihren Wirkungsort transportieren, erforscht Claus-Michael Lehr, Professor für Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie der Universität des Saarlandes.

Denn die Nanomedizin stellt effektive Trägersysteme für Arzneimittel zur Verfügung: „Nanopartikel können als Taxis für Arzneistoffe wirken“, sagt Lehr. Im Gegensatz zu Nanoteilchen, die für technische Zwecke hergestellt werden und meist hochgiftig sind, sind die in der Nanomedizin verwendeten Moleküle ungiftig und biologisch abbaubar.“

Um die Transportvorgänge an den biologischen Barrieren des Körpers zu untersuchen, haben die Saarbrücker Wissenschaftler künstliche Testsysteme auf Zell- oder Gewebebasis entwickelt. So können sie genauer beobachten und messen, ob, wie schnell und auf welchem Weg ein Medikament oder Nanoobjekt eine bestimmte Barriere durchdringt. Eines dieser Testsysteme dient als Modell der „Luft-Blut-Schranke“ der Lunge. Für seine Herstellung werden menschliche Lungenzellen auf einer dünnen, mit Poren durchsetzten Membran ausgesät, wo sie sich anschließend zu einem dichten Teppich weiterentwickeln. Andere Modelle ahmen die Darmschleimhaut nach. Sie enthalten Zellen des Immunsystems, um auch Entzündungsprozesse und die Wirkung von Medikamenten darauf untersuchen zu können.

Inzwischen haben die Saarbrücker „Arzneistofftaxis“ für jede der biologischen Barrieren entwickelt. Nanopartikel, die über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden, eignen sich beispielsweise zur Behandlung von entzündlichen Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa. Die Haut hingegen ist für Nanopartikel eigentlich undurchlässig – mit einer Ausnahme: dem Weg über die Haarfollikel. „Am Boden der Haarfollikel liegen bestimmte Zellen, die sozusagen Vorposten des Immunsystems sind“, so Lehr. „Wenn der Impfstoff dort freigesetzt wird, ist es wahrscheinlich, dass sich der Weg über die Follikel für Impfungen eignet.

COMPAMED.de; Quelle: Universität des Saarlandes