Stents vs Bypass-Operationen

Die Studie wurde in 85 Zentren in Europa und den USA an insgesamt mehr als 3.000 Patienten durchgeführt. Untersucht wurde, ob ein Katheter- Eingriff, bei dem Stents eingesetzt werden (PCI), bei Patienten mit verengten Herzkranzgefäßen (Koronare Herzkrankheit, KHK) bessere Gesamtergebnisse liefert als eine Bypass-Operation.

Nach einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr schneiden Patienten mit Koronarer Herzkrankheit, die per Katheterintervention Stents in die verschlossenen Gefäße eingesetzt bekommen, nicht besser ab als Bypass-Patienten - auf der Basis eines Vergleichs von Sterblichkeit, Herzinfarkt- und Schlaganfallraten sowie der Notwendigkeit eines neuerlichen Eingriffs.

Erstmals wurden in einer derartigen Vergleichsuntersuchung nicht nur nach strengen Ein- und Ausschlusskriterien selektierte Patienten untersucht, sondern alle Erkrankten. Ein interdisziplinäres Team von Kardiologen und Herzchirurgen entschied jeweils, ob für einen Patienten beide Verfahren gleichwertig in Frage kamen - dann wurde dieser per Zufallsprinzip einer der beiden Untersuchungsgruppen zugeteilt. Waren Patienten aufgrund ihrer Begleiterkrankungen nur für PCI oder nur für eine Bypass-Operation geeignet, wurden sie dennoch nicht aus der Studie ausgeschlossen, sondern ihre Ergebnisse in einem eigenen Studienarm weiter verfolgt. Dadurch ergibt sich ein besonders umfassendes Bild für unterschiedliche Schweregrade der Erkrankung.

Nach einem Jahr schnitten PCI und Bypass-Eingriff bei der Sterblichkeit (7,7 und 7,6 Prozent) und der Häufigkeit von Herzinfarkten gleich gut ab. Überlegen war die Katheterintervention mit Stentimplantation bei der Häufigkeit von Schlaganfällen (2,2 versus 0,6 Prozent), während sie beim Kriterium "Notwendigkeit eines neuerlichen Eingriffs nach einem Jahr" deutlich unterlegen war (13,7 versus 5,9 Prozent). Alle Vergleichskriterien zusammen genommen ergab sich im randomisierten Studienzweig eine kumulierte Ereignishäufigkeit von 17,8 Prozent für PCI und 12,1 Prozent für die Bypass-Operation.

"Die Ergebnisse, die auch für uns durchaus überraschend waren, bedeuten nicht, dass wir jetzt eine klare Empfehlung in die eine oder andere Richtung abgeben können. Die Debatte bleibt in Bewegung, beide Interventionsformen haben sich qualitativ in den vergangenen Jahren enorm weiterentwickelt", sagte einer der Studienleiter, der Herzchirurg Prof. Dr. Friedrich Wilhelm Mohr (Leipzig). "Hier wird es in Zukunft immer stärker auf die Patientenwünsche ankommen. Der Preis des wesentlich schonenderen Eingriffs per Katheter ist das höhere Risiko, dass die Intervention wiederholt werden muss."

COMPAMED.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.