Stammzellen ins geschädigte Herz locken

Ein Herzinfarkt ist nicht nur akut gefährlich. Selbst wenn der ursprüngliche Verschluss erfolgreich behandelt werden konnte, drohen lebensbedrohliche Spätfolgen. Auch wird oft noch Tage oder Wochen nach dem Infarkt Herzmuskel- zu Narbengewebe umgebaut. Als Resultat droht eine irreversible Pumpschwäche.

Mit herkömmlichen Medikamenten kann man diesen Komplikationen nur zum Teil entgegen treten. Viel versprechend klingt dagegen die Therapie mit Stammzellen. Diese Option steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. So ist es äußerst schwierig, die Stammzellen zur Infarktnarbe zu dirigieren.

Forscher der Universitäten Münster, Köln und Bonn wollen das ändern. Dazu haben sie ein Verfahren erprobt, mit dem sich knochenmarksständige Stammzellen ins Herz "locken" lassen. "Wir haben in den Blutkreislauf von Ratten mikroskopisch kleine gasgefüllte Bläschen injiziert", erläutert Doktor Alexander Ghanem vom Uniklinikum Bonn. Sobald man diese Bläschen einem geeigneten Ultraschall-Puls aussetzt, werden sie vom Schallfeld zu Schwingungen angeregt. Dabei wird das umliegende Gewebe gereizt, so dass es Entzündungsbotenstoffe ausschüttet. Diese Botenstoffe locken unter anderem auch Stammzellen an. Soweit die Theorie.

Die Praxis gab den Wissenschaftlern nun Recht: Die Anzahl der Stammzellen, die sich nach einer Stunde im Herzen wiederfanden, ließ sich durch die Beschallung um fast 40 Prozent erhöhen. Dort verließen sie die Blutgefäße und wanderten in das geschädigte Gewebe ein. Es ist das erste Mal, dass ein solcher Vorgang nachgewiesen werden konnte.

Für Herzinfarktpatienten sind das gute Neuigkeiten. Einerseits können die Zellen nämlich dazu beitragen, die Pumpfunktion zu verbessern. Noch viel wichtiger sind aber wohl die so genannten "parakrinen" Effekte von Stammzellen. So können sie bereits in sehr geringer Zahl das Risiko lebensgefährlicher Herzrhythmusstörungen erheblich reduzieren - zumindest im Tierversuch.

COMPAMED.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn