Spektrometer für "Fingerabdrücke" im Atem

Foto: Eine Fingerspitze in Nahaufnahme

Mit der gleichen Messtechnik wurde bisher auf Flughäfen nach Sprengstoffen gesucht, auch die Polizei nutzt sie zum Aufspüren von Drogen. Künftig, so die Vision der Mediziner und Wissenschaftler, könnte sie jedoch auch in Kliniken und Arztpraxen bei der Diagnose von Lungenerkrankungen eingesetzt werden. Noch ist das Zukunftsmusik, funktionieren kann die Methode nämlich nur, wenn jede Krankheit eindeutige und unverwechselbare "Fingerabdrücke" in der Ausatemluft hinterlässt.

Seit Anfang Mai sind die Ärzte aus Hemer gemeinsam mit Wissenschaftlern des Dortmunder ISAS - Institute for Analytical Sciences und Statistikern auf der Suche nach diesen Fingerabdrücken. Aus der Vielzahl der in der Atemluft vorhandenen Moleküle muss das Forscherteam diejenigen identifizieren, die durch eine Lungenentzündung oder durch ein Bronchialkarzinom erzeugt wurden.

"Auch sexuelle Aktivität hinterlässt Spuren im Atem, ebenso wie die Zahncreme oder das letzte Bier von gestern Abend", erläutert der Physiker Jörg Ingo Baumbach vom ISAS. "Alle Stoffwechselvorgänge gemeinsam erzeugen Muster aus Molekülen im Atem; wir wollen herausfinden, ob es charakteristische Muster für Lungenerkrankungen gibt."

Im Moment ist das Spektrometer noch in der "Lernphase"; es kann zwar sagen, dass etwas da ist, aber noch nicht immer was es ist. Bis das Gerät wirklich bei Patienten zum Einsatz kommen kann, werden daher noch einige Jahre vergehen. Doch Michael Westhoff, Arzt in der Lungenklinik Hemer, ist zuversichtlich, dass das Spektrometer irgendwann zum Standardinventar in jeder Arztpraxis gehört. Nicht nur bei der Diagnose, sondern auch bei der Überprüfung des Therapie- Erfolgs soll es dann behilflich sein.

COMPAMED.de; Quelle: ISAS - Institute for Analytical Sciences