Software entscheidet objektiv

Es ist Teil einer Erfolgsgeschichte, die mit zwei verschiedenen entwickelten Prototypen für die Fluoreszenz-Bildgebung rheumatischer Entzündungen in Fingergelenken begann. Die jetzt vorgestellte Datenanalyse-Software soll die Aussagefähigkeit des Bildgebungsverfahrens noch weiter verbessern. Sie vergleicht den zeitlichen Verlauf der Fluoreszenzsignale aus den suspekten Fingergelenken mit dem Verlauf über den nicht entzündeten Fingerspitzen als Referenz. Damit kann den Ärzten in Zweifelsfällen geholfen werden, in denen nicht klar ist, ob es sich bei einem auffälligen Befund um individuelle Besonderheiten des jeweiligen Patienten handelt oder um einen Rheumaherd. Erste Tests ergaben eine Treffsicherheit der neuen Auswertemethode von bis zu 72 Prozent in Kombination mit einem kameragestützten Bildgebungssystem und sogar 92 Prozent mit einem Laser-Scanner System.

Rund ein Prozent der Bevölkerung leidet in Deutschland an rheumatoider Arthritis. Da Rheuma-Medikamente teuer und reich an Nebenwirkungen sind und da sich Rheuma im fortgeschrittenen Stadium ohne Operation kaum noch behandeln lässt, ist eine frühzeitige Diagnose besonders wichtig. An immer mehr Kliniken wird dazu ein neuartiges Fluoreszenz-Bildgebungsverfahren eingesetzt, das in der PTB entwickelt wurde und jetzt mithilfe der neuen Auswertemethode noch effizienter werden könnte. Das Fluoreszenzverfahren ist deutlich preiswerter als Kernspin-Untersuchungen und deutlich harmloser als Röntgenaufnahmen. Stattdessen bekommt der Patient eine Injektion mit dem ungiftigen Kontrastmittel Indocyaningrün (ICG). Danach werden seine Hände (die bei Rheuma besonders oft betroffen sind) mit nahinfrarotem Licht beleuchtet.

 
 

Foto: Abbildung einer Hand mit Auswertung der Software

 
 

Nahinfrarot bedeutet: im Spektralbereich gerade oberhalb des sichtbaren Lichtes und fast schon Wärmestrahlung. Ähnlich wie bei reiner Wärmestrahlung dringt dieses Licht ein Stück in den Körper ein und bringt das Kontrastmittel dort zum Leuchten, wo es sich angereichert hat. Weil in Rheumaherden die Durchblutung besonders stark ist, reichert es sich hier stärker an als in gesunden Gelenken. Wenige Minuten nach Injektion des Kontrastmittels können Patient und Arzt unter der speziellen Beleuchtung mit dem nahinfraroten Licht und mithilfe des hochempfindlichen Bildaufnahme- und Darstellungssystems („Imager“) die Gelenke mehr oder weniger deutlich leuchten sehen. Diese Methode hat sich im klinischen Einsatz bereits bewährt.

COMPAMED.de; Quelle: Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB)