Foto: Beinprothese
Das neue Messsystem wurde in die
Prothese integriert; © TU Berlin/
FG Medizintechnik

„Vor 30 Jahren wurde zum letzten Mal bei Kurzbelastungstests die Beanspruchung von Prothesen untersucht - übrigens unter anderem auch hier an der TU Berlin", sagt Simone Oehler, die im Rahmen ihrer Dissertation das neue Messsystem entwickelt hat. Die damaligen Testergebnisse waren Grundlage für eine Prothesennorm, die bis heute gültig ist. Mit den Daten der aktuellen Untersuchung, die Ende September abgeschlossen wird, wollen die Forscher unter anderem eine solide realistische Datengrundlage für eine Überarbeitung der Norm liefern.

15 Probanden, darunter drei Frauen, bekamen ein Jahr lang einen circa handtellergroßen Messblock in ihr künstliches Bein eingebaut. In dem quadratischen Metallgehäuse sind sogenannte Dehnungsstreifen mit Metallgittern an verschiedenen Positionen platziert. Die Metallgitter verformen sich bei unterschiedlicher Belastung verschieden stark, wobei ein messbarer elektrischer Widerstand entsteht. Diese Daten werden auf einer Speicherkarte gesammelt, die die Forscher mit geeigneter Software am Computer auswerten können.

Um die Daten, die die Untersuchten regelmäßig auf ihren Speicherkarten bei den Wissenschaftlern ablieferten, genau zuordnen zu können, haben die Probanden mit den Messadaptern zuvor auf einem Test-Parcours alle Bewegungsmuster durchlaufen.

Bislang sei etwa ein Viertel der Daten ausgewertet. „Schon jetzt können wir sagen, dass die Probanden wesentlich mehr Schritte gehen als angenommen", sagt Oehler. Zehn der Testpersonen seien mit einem C-Leg versorgt, einer Prothese mit High- Tech-Kniegelenk. Diese leistungsfähige Einheit kostet etwa 20.000 Euro. „Uns interessierte auch, ob sich die Testpersonen mit C-Leg mehr oder weniger bewegen als Nichtamputierte", erklärt die Forscherin, die mit ihrer Arbeit einen direkten Beitrag zur Verbesserung der Versorgung von Patienten nach einer Beinamputation leisten will.

COMPAMED.de; Quelle: Technische Universität Berlin