Schonende Eingriffe am Herzen

Einen Schwerpunkt bilden neben der Blutwäsche bei Herzmuskelschwäche verschiedene aufwendige Behandlungsmethoden im Herzkatheterlabor, die schonender sind als Operationen am offenen Herzen.

Professor Felix :„Die Greifswalder Kardiologen möchten sich insbesondere auf schonende Verfahren für Patienten spezialisieren, die nicht mehr dem Risiko eines chirurgischen Eingriffes ausgesetzt werden können. Die Erforschung neuer und schonender Verfahren in der Herzmedizin ist ein bedeutender wissenschaftlicher Schwerpunkt in Greifswald."

So wurde in diesem Jahr erneut ein innovatives Verfahren in der Greifswalder Herzklinik etabliert. Das Verfahren der so genannten interventionellen Mitralklappenrekonstruktion ist noch relativ jung und wird seit zwei Jahren auch in Deutschland eingesetzt. Bei diesem nicht-chirurgischen Verfahren kann eine Undichtigkeit der linken Herzklappe (Mitralklappe) über eine Vene von der Leiste aus behandelt werden. Funktioniert die Mitralklappe nicht, strömt das Blut nicht von der linken Herzkammer in die Hauptschlagader, sondern zurück in den linken Vorhof. Je nach Schweregrad der Störung kommt es zur Ansammlung von Wasser in der Lunge. Die betroffenen Patienten leiden in solchen Fällen an einer massiven Atemnot und können in einen lebensbedrohlichen Zustand geraten.

„Jetzt können wir ohne den Brustkorb zu öffnen und ohne Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine die Herzklappe statt mit einer Herzklappenoperation mit einer Spezialklammer (MitraClip) abdichten, so dass sie wieder weitestgehend normal arbeitet“, so Felix. „Alle acht Patienten, die mit einer Implantation eines MitraClips behandelt wurden, haben sich recht schnell erholt und keine Komplikationen gezeigt.“

Der überwiegende Teil der Patienten mit einem MitraClip leidet unter mehreren Begleiterkrankungen. Die Behandlung dieser Patienten erfordert eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit und sollte daher an Häusern der Maximalversorgung erfolgen, in denen auch diese Begleiterkrankungen in entsprechenden Spezialabteilungen effektiv therapiert werden können.

Die Reparatureingriffe, die mittels eines Herzkatheters durchgeführt werden, sollen jetzt wissenschaftlich analysiert werden. „Bislang werden die Hightech-Clips nur bei Patienten eingesetzt, die nicht am offenen Herzen operiert werden können. Möglicherweise sind sie auch eine Alternative für größere Patientengruppen“, sagte Felix „Wir wollen diese Kathetereingriffe hinsichtlich der Risikofaktoren und des erfolgreichen Heilungsverlaufes einer umfassenden wissenschaftlichen Auswertung unterziehen“, informierte Felix.

„Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland nach wie vor die Todesursache Nummer eins. Aus diesem Grund ist der Forschungsbedarf auch in Zukunft enorm hoch“, betonte der Greifswalder Wissenschaftler. Mit dem Forschungsprojekt CARDIO-PREVENT (Cardiovascular Event Prevention Research Centre Greifswald) bringt die Universitätsmedizin ihre Kompetenz in das neue Deutsche Zentrum für Herz-Kreislaufforschung (DZHK) ein. Greifswald wurde im vergangenen Jahr in einem Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) von einer internationalen Expertenjury als einer von nur sieben Partnerstandorten unter etwa 40 wissenschaftlichen Einrichtungen aus ganz Deutschland ausgewählt.

Das Greifswalder Projekt CARDIO-PREVENT zielt auf die Verhinderung von Herz-Kreislauferkrankungen. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes soll untersucht werden, wie sich Änderungen der Lebensgewohnheiten, wie zum Beispiel Ernährung und körperliche Aktivität, in der Normalbevölkerung und bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit und Herzmuskelschwäche auswirken. Dabei kann auf langjährige Erfahrungen in der Community Medicine (Bevölkerungsforschung), in der SHIP-Gesundheitsstudie (Study of Health in Pomerania) und im GANI_MED-Projekt (Individualisierte Medizin), das ebenfalls durch das BMBF gefördert wird, zurückgegriffen werden. Auch die Implantationen von MitraClips sollen im Rahmen des GANI_MED-Projektes wissenschaftlich untersucht werden.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsmedizin Greifswald