Schneller Schliff für feines Tuch

Foto: Ein Mann niest in ein Papiertaschentuch

Zentrales Element bei der Fertigung von Taschentüchern ist der Trockenzylinder. Er wird von innen mit Hochdruckwasserdampf beheizt und steckt unter einer riesigen Trockenhaube. Der Produktionsprozess und speziell das Kreppen beanspruchen die Oberfläche der Walze. Spätestens alle zwei Jahre muss sie plan geschliffen werden.

Das Schleifen von Trockenzylindern erfolgt bisher mit Maschinen, die mehrere Tonnen schwer sind. Dabei müssen erhebliche Teile der Papiermaschine ausgebaut werden. Die Produktion steht dann still. Ulrich Priber und Jürgen Schönitz vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz wollten eine Lösung finden und entwickelten ein handliches und sehr genaues Schleifgerät.

"Die Grundidee war einleuchtend: Ein Schleifgerät zu verwenden, das direkt in die Maschine eingehängt wird", erzählt Priber. Dann ist aber die exakte Vermessung des Zylinders von größter Bedeutung: Ein Lasermesssystem fährt die rotierende Walze ab. Als Referenz dient ein dünner Stahldraht, der an jeder Maschine gespannt und ausgerichtet wird. Er ist der Bezug zur Zylinderachse. Nach der Messung entsteht im Computer eine detaillierte Höhenkarte der Oberfläche. Mit ihr wird der Schleifvorgang gesteuert. Das gab dem Verfahren seinen Namen: Virtual Reference Grinding VRG.

Das neue System arbeitet kraftbasiert, die Schleifkraft wird also positionsgenau und fein dosiert. Je höher eine Erhebung, desto größer der Anpressdruck, der automatisch und hydraulisch eingestellt wird. Damit wird eine Genauigkeit von unter 50 Mikrometern erreicht. Außerdem arbeitet die Maschine deutlich schneller als konventionelle Systeme: Knapp eineinhalb statt drei Tage dauert das Schleifen nun.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft