Rollstühle sind zusätzliche Behinderung

Die Forscher haben herausgefunden, dass viele kranke und behinderte Menschen sich bei der Rollstuhlauswahl schlecht beraten fühlen. Die Qualität vieler Rollstühle ist derart mangelhaft, dass diese für Nutzerinnen und Nutzer eher eine zusätzliche Behinderung als ein Hilfsmittel darstellen. Das sind u. a. Ergebnisse des auf drei Jahre angelegten interdisziplinären Forschungsprojektes 'Optimierung des Rollstuhlkomforts' an der Fachhochschule (FH) Bielefeld.

Beteiligt sind die Fachbereiche Maschinenbau sowie Pflege und Gesundheit. Gefördert wird das Forschungsprojekt mit einer Fördersumme von fast 300.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt umfasst Material- und Konstruktionsprüfungen auf hochschuleigenen Prüfständen, eine wissenschaftliche Umfrage sowie Messreihen mit Rollstuhlfahrerinnen und -fahrern. Durchgeführt wird es mit 15 Kooperationspartnern aus ganz Nordrhein-Westfalen. Der interdisziplinäre Ansatz des Projektes mit Beteilung der Fachbereiche Maschinenbau sowie Pflege und Gesundheit spiegelt die beiden Facetten des Themas 'Rollstuhlkomfort' wider: Mensch und Technik.

Aus Umfragen des Forscherteams geht hervor, dass 88 Prozent der Befragten sehr großen Wert auf kundenorientierte Beratung legen.

Weiterhin wurden insgesamt 30 Kriterien zum Rollstuhlkomfort und zum Anpassungsprozess während der Hilfsmittelbeschaffung abgefragt. Die Antworten geben deutlich die Wünsche und Anforderungen der auf Rollstühle angewiesenen Menschen auf der einen Seite und die Realität auf der anderen Seite wieder.

Für etwa 93 Prozent der Befragten ist eine körpergerechte, gut angepasste Sitzposition ein Hauptkriterium für Komfort, rund 84 Prozent legen Wert auf eine hohe Kippsicherheit und Fahrstabilität, mehr als 85 Prozent sprechen sich für ein große Wendigkeit und Manövrierbarkeit aus und mehr als 84 Prozent nennen einen geringen Kraftaufwand (bei der eigenen Handkraft genauso wie bei der Schubkraft einer Begleitperson).

Die Forschungsergebnisse belegen, dass manuelle Rollstühle hinsichtlich Material und Konstruktion optimierungsbedüftig sind, genauso wie die Beratung und Begleitung bei der Auswahl eines Rollstuhls und die Einweisung in seine Nutzung.

COMPAMED.de; Quelle: Fachhochschule Bielefeld