MRT: Risikoermittlung bei Diabetikern

Radiologen des Klinikums der Universität München unter Federführung von Dr. Fabian Bamberg haben eine Methode entwickelt, um das Risiko bei Diabetikern für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu ermitteln.

Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko für die Atherosklerose – also jene Ablagerungen in den Wänden der Blutgefäße, die besonders die kleinen und mittelgroßen Adern in Herz und Gehirn verstopfen können. Dann drohen Herzinfarkt beziehungsweise Schlaganfall. Allerdings verläuft dieser Prozess bei jedem Patienten unterschiedlich und hängt auch vom Erfolg der Diabetes-Behandlung ab. Wie hoch das Risiko der betroffenen Zuckerkranken wirklich ist, lässt sich mit einem Ganzkörperscan in der Kernspintomographie verlässlich bestimmen.

„Wir können mit der Magnetresonanz-Tomografie (MRT) den gesamten Körper ohne Strahlenbelastung untersuchen“, erklärt Bamberg, „deshalb ist das Verfahren auch so schonend. Es scheint so zu sein, dass man das Risiko sehr genau abschätzen kann, wenn man sich mehrere Gefäßsysteme und Organsysteme im Organismus mit der MRT anschaut. Die krankhaften Prozesse der Diabetiker betreffen ja auch den ganzen Körper.“

In Zusammenarbeit mit Prof. Klaus Parhofer von der Medizinischen Klinik II in Großhadern haben die Radiologen 65 Patienten in ihre Studie eingeschlossen. Sie litten durchschnittlich seit zehn Jahren an Diabetes. Etwa eine Stunde lang wurden ihre Körper im Magnetresonanz-Tomografen untersucht. Danach haben die Münchner Mediziner die Bilder ausgewertet und für jeden einzelnen Diabetiker eine Aussage getroffen, wie wahrscheinlich er in den kommenden Jahren einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erleiden wird. Nach durchschnittlich sechs Jahren fragten die Mediziner die Teilnehmer, ob in der Zwischenzeit ein solches Ereignis eingetreten ist.

Patienten ohne jegliche Veränderungen sind offenbar mittel- bis langfristig nicht gefährdet, und das obwohl sie schon seit langem am Diabetes erkrankt sind. „Keiner dieser Patienten erlitt in dem Nachfolgezeitraum Komplikationen“, sagt Bamberg. Diese Patienten sollte man mit dem guten Ergebnis motivieren, weiter konsequent auf ihre bisherige Behandlung und Präventionsmaßnahmen zu setzen.

Patienten mit Veränderungen in den Gefäßen des Körpers, am Gehirn oder am Herzen, hatten nach drei Jahren durchschnittlich ein Risiko von 20 Prozent und nach sechs Jahren von 35 Prozent, einen Infarkt in Herz oder Gehirn zu erleiden. Für diese Patienten gilt es, die Therapie zu intensivieren und sie noch mehr zu animieren, an risikosenkenden Maßnahmen wie Sport teilzunehmen.

Fabian Bamberg gibt zu bedenken, dass die neuen Ergebnisse, obwohl sie „ermutigend“ sind, noch in größeren Studien mit mehr Patienten bestätigt werden müssen. In München erfolgt die Datenerhebung bereits in der sogenannten KORA-Kohorte zusammen mit dem Helmholtz-Zentrum. Neue Resultate erwartet der Radiologe in wenigen Jahren. Er ist überzeugt, „dass sich dieses anspruchsvolle Verfahren durchsetzen kann, um das Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko von Diabetikern genauer abschätzen zu können.“

COMPAMED.de; Quelle: Klinikum der Universität München