Riesenmoleküle in sanftem Landeanflug

Viele organische Moleküle taugen als Leiter oder Halbleiter. Dabei gilt: Je größer die Teilchen, umso leitfähiger. Große organische Moleküle weisen jedoch eine starre und komplexe Struktur auf, die sie unlöslich macht und die beim Verdampfen zerstört wird. Um aus ihnen Bauelemente produzieren zu können, müssen Moleküle aber im gelösten oder gasförmigen Zustand vorliegen.

Die Forschungsgruppe von Prof. Klaus Müllen und Dr. Hans Joachim Räder vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung hat jetzt eine Methode entwickelt, um extrem große polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe zu verarbeiten. Dazu entwickelten die Mainzer Wissenschaftler zunächst eine modifizierte Methode der Matrix-unterstützten-Laserdesorptions/Ionisations (MALDI) Massenspektrometrie, mit der die unlöslichen Riesenmoleküle schon heute zuverlässig nachgewiesen und charakterisiert werden können.

Die MALDI-Massenspektrometrie ermöglicht es, auch große Moleküle unzersetzt als geladene Teilchen in die Gasphase zu überführen. Dabei werden die Moleküle von einer Matrix anderer Teilchen umhüllt, die mit ihnen verdampfen und die überschüssige Energie schlucken, die das Molekül sonst zerstören würde. Die dabei gebildeten Ionen werden anschließend in einem elektrostatischen Feld beschleunigt und in einem Magnetfeld nach ihrem Molekulargewicht aufgetrennt. Das geschieht im Grunde in jedem Massenspektrometer.

Um die Moleküle wohlbehalten auf einer Oberfläche abzuscheiden, bremsen die Polymerforscher die mit mehrfacher Ultraschallgeschwindigkeit fliegenden Moleküle mit Hilfe eines elektrostatischen Feldes wieder ab. So können die Moleküle auf einer Oberfläche sanft landen und zerschellen nicht. Den Max-Planck-Forschern gelang es damit jetzt erstmals, ultradünne kristalline Schichten auch von sehr großen Molekülen auf einem leitfähigen Substrat herzustellen.

COMPAMED.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.