Resorbierbares Material füllt Loch im Herzen

Foto: Arzt legt Herzkatheter im OP

„Im Prinzip sind diese Implantate mit kleinen Schirmen vergleichbar. Wenn man eines aufspannt, kann man ein Loch in der Herzscheidewand damit schließen“, erklärt Dr. Christian Jux aus der Abteilung für Pädiatrische Kardiologie der Uniklinik Göttingen. In den pumpenden Muskel gelangen die Implantate von der Leiste aus. Mit einem Herzkatheter werden sie zum Loch im Herzen transportiert und dort entfaltet und verankert.

Allerdings bleibt ein Schirmchen ein Leben lang im Körper des Patienten. Obwohl sie eigentlich schon nach wenigen Monaten nicht mehr gebraucht werden. Denn bis dahin bildet sich körpereigenes Gewebe über dem Implantat aus und integriert es in die Herzscheidewand. Der Nachteil: Ein chronischer Fremdkörperreiz kann entstehen und das Risiko einer Blutpropfbildung erhöht sich. Einzige Möglichkeit, um einer Abstoßungsreaktion hundertprozentig aus dem Weg zu gehen, wäre, den Fremdkörper auf Dauer wieder verschwinden zu lassen. Und genau daran arbeiten zurzeit Göttinger Forscher. „Wir wollen die bisher verwendeten permanenten Materialien gegen resorbierbare ersetzen“, so Jux.

Dabei geht es zuerst um die Bespannung des Schirmchens. Bis jetzt griffen Hersteller der Implantate auf Kunststoff zurück. Meistens auf ein Gewebe aus Polytetrafluorethylen (PTFE), ein sehr reaktionsträges und beständiges Polymer. Das ersetzten die Forscher nun durch ein Kollagenmaterial. Kollagen kommt im Körper natürlicherweise als Strukturprotein vor, ist sehr zugfest und bioverträglich. Innerhalb von zwei Jahren kann es abgebaut werden. Genug Zeit, dass sich auf dem Implantat genügend eigenes Gewebe angesiedelt hat.

„Wir arbeiten nun an einem Ersatz der Metallkomponenten“, so Jux. Stiel und Kiele des Schirmchens bestehen oft aus Nitinol, einer korrosionsstabile Nickel-Titan-Legierung mit Formgedächtnis. Das soll ersetzt werden mit resorbierbaren Polymeren, die sich schon im Medizineralltag als chirurgisches Nahtmaterial oder abbaubare Arzneimittelträger bewährt haben.

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