Resorbierbares Implantat eingesetzt


Durch das neue, sich selbst auflösende Implantat gibt es langfristig deutlich weniger Fremdkörperreaktionen. Das neue Verschlusssystem wird durch körpereigene Enzyme und Fresszellen des Patienten abgebaut - vergleichbar mit einem auflösbaren Faden beim Wundverschluss. Wenn das Verschlusssystem in der Herzscheidewand eingeheilt und von körpereigenem Gewebe überdeckt ist, löst es sich innerhalb von zwei Jahren zu etwa 90 Prozent auf.

Am Herzzentrum Göttingen kam das Implantat im Juli 2007, weltweit erstmals bei einem 13-jährigen Kind zum Einsatz. Zusätzlich wurde das System deutschlandweit am gleichen Tag erstmals bei zwei Erwachsenen, einer Frau (55 Jahre) und einem Mann (58 Jahre), erfolgreich eingesetzt. Zuvor war das neue Implantat in einer klinischen Multizenterstudie mit 57 erwachsenen Patienten erfolgreich erprobt worden. Seit Ende Juni 2007 ist es offiziell für den Einsatz in der Praxis zugelassen.

Löcher in den Scheidewänden der Vorhöfe und in den Herzkammern zählen zu den häufigsten angeborenen Herzfehlern. "Besonders für Kinder bietet das Verschlusssystem eine sehr gute Behandlungsmöglichkeit. Kinder müssen lange mit ihrem Implantat leben", erläutert Priv. Doz. Dr. Christian Jux, projektverantwortlicher Oberarzt an der Abteilung Pädiatrie III im Herzzentrum Göttingen. "Bei den bisher verfügbaren Systemen finden wir häufig auch nach Jahren noch lokale Entzündungs- und Fremdkörperreaktionen oder sogar Verkalkungen und Gewebewucherungen. Diese Risiken können mit dem neuen Implantat gesenkt werden."

Durch einen dünnen Katheter führen die Ärzte das Doppelschirm-System zum Loch in der Vorhofscheidewand. Da ein solcher Defekt bis zu mehreren Zentimetern groß sein kann, muss auch das Verschlusssystem eine entsprechende Größe haben. "Das Implantat wird gefaltet, bevor es durch den Katheter geschoben wird. Am Herzen angekommen spannt es sich dann auf - ähnlich wie ein Schirm, so dass es den Defekt vollständig verschließt", erklärt Dr. Jux.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsmedizin Göttingen - Georg-August-Universität