Regionalanästhesie mit Ultraschall: Sicherheit und Komfort für Patienten

25.09.2014
Foto: Ultraschallunterschung am Halsbereich

Ultraschallgesteuerte Regionalanästhesie etabliert sich als Standard Patienten profitieren von Sicherheit und Komfort; © panthermedia.net/Alexander Raths

Der Einsatz moderner, hochauflösender Ultraschallgeräte hat den Präzisionsgrad der Regionalanästhesie maßgeblich erhöht und etabliert sich zunehmend als Standard. So lautet das Ergebnis einer Handlungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI) zur Nervenlokalisation in der peripheren Regionalanästhesie. Anästhesisten können mit Hilfe von Ultraschall die zu blockierenden Nerven gezielt lokalisieren und betäuben.

Für den Patienten bedeutet dies eine risikoarme, schnelle und lang andauernde Schmerzausschaltung mit wenig Narkosemittel. Aufgrund der hohen Praxisrelevanz erarbeitet die DGAI aktuell eine S1-Leitlinie zur Nervenlokalisation in der peripheren Regionalanästhesie.

Der Einsatz von Regionalanästhesien im Allgemeinen und mit Unterstützung von Ultraschall im Speziellen ist ein Schwerpunktthema des Hauptstadtkongresses der DGAI für Anästhesiologie und Intensivtherapie (HAI) 2014. „Anästhesisten können sich in zahlreichen Veranstaltungen und Workshops über deren Bedeutung, Nutzen und Einsatz informieren sowie sich die praktischen Fertigkeiten aneignen“, so Prof. Bernhard Zwißler, Kongresspräsident und Direktor der Klinik für Anästhesiologie am Klinikum der Universität München.

Für die Nervenlokalisation bei Regionalanästhesien können Anästhesisten verschiedene Techniken anwenden. Neben der herkömmlichen elektrischen Nervenstimulation etabliert sich das moderne Ultraschallverfahren zunehmend als Standard. „Die Einführung der Ultraschalltechnik war in den letzten Jahren die treibende Kraft für technische Innovationen und wissenschaftliche Erkenntnisse im Bereich der peripheren Regionalanästhesie“, kommentiert Dr. Thorsten Steinfeldt, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Anästhesie und Intensivtherapie am Universitätsklinikum Gießen-Marburg, Standort Marburg. Diese habe zu einem Paradigmenwechsel im Arbeitsalltag der Anästhesisten geführt. „Nerven sind seitdem nicht mehr nur eine geistige Projektion, sondern lassen sich mit Ultraschall bildlich darstellen.“

Die periphere Regionalanästhesie hat laut Steinfeldt in den letzten Jahren eine große Bedeutung in der täglichen Praxis erreicht. Etwa 10 bis 30 Prozent aller Anästhesieverfahren seien periphere Nervenblockaden oder eine Kombination mit einer Allgemeinanästhesie. Demnach würden etwa zwei bis vier Millionen Nervenblockaden jährlich in Deutschland durchgeführt. Für den Patienten hat eine Regionalanästhesie per se viele Vorteile. „Das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege werden weniger belastet. Typische Nebenwirkungen einer Allgemeinanästhesie wie Erbrechen, Übelkeit und Benommenheit entfallen“, berichtet Prof. Paul Kessler, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensiv- und Schmerzmedizin der Orthopädischen Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt. „Der Patient erholt sich schneller und ist früher mobil.“ Auch nach der Operation könne die komplette Schmerzausschaltung durch die Anlage eines Katheters mit einer vom Patienten selbst kontrollierten, individuellen Schmerzmittelgabe verlängert werden. Mit dem ultraschallgestützten Verfahren zur Nervenlokalisation ließe sich im Vergleich zu der herkömmlichen elektrischen Nervenstimulation zudem eine schnellere und längere Schmerzausschaltung mit weniger Narkosemittel erzielen.

Doch mit der Einführung der Ultraschalltechnik kamen auch Fragen und Diskussionen zum fachgerechten Hergang der Nervenlokalisation auf. „Da die Studienlage keine evidenzbasierte Empfehlung zu Bedeutung, Nutzen und Einsatz der verschiedenen Verfahren zulässt, haben der wissenschaftliche Arbeitskreis Regionalanästhesie und geburtshilfliche Anästhesie sowie der wissenschaftliche Arbeitskreis Ultraschall in der Anästhesiologie und Intensivmedizin eine gemeinsame Empfehlung veröffentlicht“, erläutert Steinfeldt als Erstautor der Handlungsempfehlung. Diese gibt auf Basis wissenschaftlicher Daten und Expertenwissen Antworten und Standpunkte zu Fragen der Nervenlokalisation. Zudem wurde die Erarbeitung einer S1-Leitlinie gestartet, die erstmals Standards zur Lokalisation und Blockade peripherer Nerven definieren soll [2]. „Für unsere Fachgesellschaft ist es verpflichtend, den technischen Fortschritt auf eine wissenschaftlich fundierte Basis zu stellen. Nur dann kann für die Patienten daraus eine sichere Behandlung nach neuestem medizinischem Standard resultieren“, veranschaulicht der DGAI-Präsident Prof. Christian Werner das Selbstverständnis der Anästhesisten. „In der Ärztekammer Westfalen-Lippe haben wir die Anwendung von Ultraschallverfahren als Pflichtfach in die Weiterbildung für Anästhesiologie 2012 eingeführt. Dies wird jetzt auch in die Novellierung der Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer übernommen“, ergänzt Prof. Hugo Van Aken, Generalsekretär der DGAI.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften