Implantat: Pumpe als Brücke bis zur Herztransplantation

02.05.2013

Die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe haben Mediziner am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen erstmals einem schwer herzkranken Patienten erfolgreich implantiert.

Der 53-jährige Patient konnte nach 15 Tagen stationärem Aufenthalt in die anschließende Rehabilitation entlassen werden. "Unser Patient ist nach dem Eingriff wieder wohlauf und verspürt eine deutliche Besserung seiner Beschwerden. Er kann endlich wieder lange Spaziergänge machen und auch wieder nahezu problemlos Treppen steigen", sagt Professor Friedrich Schöndube, Direktor der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.

Die neue Pumpe ist kaum größer als eine Mignon-Batterie (AA) und wiegt nur 25 Gramm. Trotzdem kann das Gerät bis zu vier Liter Blut in der Minute pumpen. Das sind 80 Prozent der Pumpleistung eines gesunden Herzens. Wegen der geringen Größe kann das System ähnlich wie ein Herzschrittmacher unter der Haut in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert werden. Bisher war für das Einsetzen vergleichbarer größerer Systeme eine Öffnung des Brustkorbs mit der Verwendung einer Herz-Lungenmaschine nötig.

"Der operative Eingriff zum Einsetzen dieser kleinen Herzunterstützungspumpe ist deutlich schonender. So können wir das Operationsrisiko für Patienten mit einer schweren Herzerkrankung deutlich senken", sagt Doktor Aron-Frederik Popov, Oberarzt der Klinik für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie.

Das neue Behandlungsverfahren wird am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen von einem Expertenteam aus Herzchirurgen, Kardiologen, Anästhesisten und Intensivmedizinern durchgeführt. Die Mediziner sind auf die Behandlung von Patienten mit besonders starker Herzschwäche spezialisiert. Gemeinsam führen sie die Voruntersuchungen, die Implantation und die Nachbetreuung der Patienten durch.

Im Rahmen einer internationalen Studie kooperiert das Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen eng mit anderen weltweit führenden Herzzentren. So werden die gewonnenen praktischen Erfahrungen mit der neue Herzunterstützungspumpe genutzt, um diese zum Wohle von Patienten weiterzuentwickeln.

Herzschwäche kann bei einigen Patienten trotz medikamentöser Behandlung lebensbedrohlich sein. Die Wartezeit auf das rettende Spenderherz für die Transplantation beträgt oft mehrere Jahre. Herzunterstützungspumpen sind dann eine von wenigen Möglichkeiten, die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken.

COMPAMED.de; Quelle: Universität Göttingen