Prolaktinspiegel erleichtert manche Diagnose

Schon im Jahre 1978 hatte eine Untersuchung gezeigt, dass generalisierte tonisch-klonische Krämpfe die Prolaktin-Spiegel anheben können. Serum-Prolaktinspiegel sind bei Frauen im Durchschnitt höher als bei Männern und bei Patienten mit Epilepsien höher als bei Gesunden. Nach Krampfanfällen, aber auch Synkopen, steigt der Prolaktinwert ebenfalls an. Da liegt die Frage nahe, ob der Prolaktinspiegel ein nützliches Instrument ist, um Epilepsien diagnostizieren zu können.

Mit dieser Frage haben sich Wissenschaftler des "Therapeutics and Technology Assessment Subcommittee" der American Academy of Neurology (AAN) an die Literatursuche gemacht. Über einschlägige Datenbanken recherchierten sie alle relevanten Studien. Das Ergebnis der Meta-Analyse ist in eine Leitlinie eingeflossen.

Ein erhöhter Serum-Prolaktinwert hat offenbar einen hohen prädiktiven Wert in Bezug auf generalisierte tonisch-klonische Krämpfe oder komplexe partielle Krampfanfälle. Die Leitlinie empfiehlt, dass der Arzt zehn bis 20 Minuten nach einem verdächtigen Krampfanfall dem Patienten Blut entnehmen und den Prolaktinwert untersuchen lassen sollte. Dieser Wert kann dazu beitragen, bei Erwachsenen und größeren Kindern generalisierte tonisch-klonische Krämpfe von psychogenen nicht-epileptischen Krampfanfällen zu unterscheiden. Wenn Synkopen ausgeschlossen sind, dann lässt ein erhöhter Prolaktinwert eher an einen tonisch-klonischen Krampf als an einen psychogenen Krampfanfall denken, so die Leitlinie.

Allerdings spricht die Leitlinie auch von den Limitationen des Prolaktinspiegels. So ist er kaum von Wert wenn es darum geht, andere als tonisch-klonische Krämpfe oder komplexe partielle Krampfanfälle zu untersuchen. Wegen seiner geringen Sensitivität kann man zudem bei einem negativen Befund epileptische Krämpfe nicht mit hoher Sicherheit ausschließen.

MEDICA.de; Quelle: Neurology