Professionelle Zusammenarbeit schwierig

Teure Doppeluntersuchungen vermeiden und dem Patienten eine bessere Behandlungsqualität bieten - das ist das Ziel der 2004 ins Leben gerufenen Kooperation zwischen Arzt und Krankenhaus. Doch in der Praxis gibt es Schwierigkeiten: "Es fehlt der strategische Überblick", so Prof. Dr. Christian Ernst, Lehrstuhl für Ökonomik und Management sozialer Dienstleistungen an der Universität Hohenheim, am Rande der Hohenheimer sozialpolitischen Gespräche zur Integrierten Versorgung.

Angetreten war der Gesetzgeber mit dem Ziel, Kosten zu senken und die Behandlungsqualität zu verbessern. Ärzte und Krankenhäuser sollten gemeinsam eine Brücke zwischen der ambulanten Versorgung und dem stationären Klinikaufenthalt schlagen dürfen. So fördert das Konzept vor allem sektorübergreifende Kooperationen sowie die Zusammenarbeit bei bestimmten Krankheitsbildern. Zu diesem Zweck behalten die Krankenkassen jährlich jeweils ein Prozent des Gesamtbudgets für die ambulante ärztliche Versorgung sowie aller Krankenhausrechnungsbeträge ein und stellen diese Mittel für Projekte in der Integrierten Versorgung bereit.

Doch das Projekt hat auch Schwächen. "Die mangelnde Konkretisierung im Gesetz, was genau unter Integrierte Versorgung fällt, führte in der Anfangsphase zu einer Mitnahmementalität bei den Fördermitteln", kritisiert Prof. Dr. Ernst. Das größte Hindernis bei der Etablierung neuer Projekte sei jedoch das Fehlen eines Koordinators. "Das zeigten die Erfahrungen im Rahmen der Podiumsdiskussion deutlich", berichtet Prof. Dr. Ernst. Vielen Arztpraxen fehle schlicht die Zeit und das betriebswirtschaftliche Know-how, um Netzwerke zu schmieden. Außerdem irrten Ärzte und Kliniken oft im Bodennebel des Unwissens, wer denn der beste Partner auf der jeweils anderen Seite sei.

COMPAMED.de; Quelle: Universität Hohenheim