Porös und trotzdem stark


Stabil muss es sein - aber gleichzeitig porös und von Hohlräumen durchzogen: So können Implantat und benachbarte Wirbel schnell und nahtlos miteinander verwachsen. Jülicher Forscher brachten nun ihr Fachwissen über poröse Werkstoffe aus der Brennstoffzellenforschung auch im medizinischen Bereich zum Einsatz. Sie entwickelten ein Wirbelsäulenimplantat aus porösem Titan.

Grundlage für poröse Werkstoffe ist die Platzhaltermethode:
Titanpulver und ein Platzhalterpulver werden zunächst vermischt. Unter dem Druck von 100 Tonnen wird das Gemisch in einen Block gepresst. So entsteht das Halbzeug, welches durch mechanische Bearbeitung wie etwa Fräsen in die gewünschte Form gebracht wird. Um das Werkstück porös zu machen, wird es auf rund 80 Grad erhitzt. Der Platzhalter zersetzt sich, entweicht und hinterlässt die gewünschten Poren. Ein weiteres kontrolliertes Erhitzen, das Sintern, dient der Festigung des Titans; eine Temperatur von etwa 1300 Grad erlaubt es Atomen, zu wandern und die Titankörner stabil zu verbinden.

Das patentierte Jülicher Herstellungsverfahren nutzt den speziellen Platzhalter Ammoniumhydrogencarbonat, der außerordentlich gute Eigenschaften aufweist. "Er hat eine wesentlich niedrigere Zersetzungstemperatur als herkömmliche Platzhalter und reagiert beim Erhitzen kaum mit dem Titan. Daher hinterlässt er keine Rückstände, die die Festigkeit des Werkstoffs oder die Verträglichkeit des Implantats im Körper beeinträchtigen", erklärt Projektleiter Dr. Martin Bram. Außerdem schäumt der Platzhalter nicht beim Erhitzen. Deshalb können Größe und Anteil der entstehenden Poren genau gesteuert werden, eine für die Besiedelung mit Knochenzellen wesentliche Voraussetzung.


COMPAMED.de; Quelle: Forschungszentrum Jülich