Leber: Operationen in 3D und mit Navigationsunterstützung

20.08.2013
Foto: Operation

Univ.-Prof. Dr. Hauke Lang (ganz links), Dr. Matthias Peterhans (Mitte) und Teile des OP-Teams vor dem Navigationsbildschirm; © Universi-
tätsmedizin Mainz/Markus Schmidt

Ein neues chirurgisches Navigationssystem ermöglicht hochpräzise Eingriffe an der Leber zur Entfernung von Krebsmetastasen. Die Universitätsklinik Mainz setzt dieses System als erste in Deutschland ein.

Bei etwa der Hälfte der Patienten mit Darmkrebs entwickeln sich im Verlauf der Erkrankung Metastasen in der Leber. Um zukünftig mehr Patienten eine Operation des komplexen Organs zu ermöglichen, haben Medizintechnikexperten aus Bern, Stockholm und Bremen gemeinsam mit der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie der Universitätsmedizin Mainz unter der Leitung von Prof. Hauke Lang das Navigationssystem entwickelt.

Während der knapp 10-jährigen Forschungsphase am Gerät und dem chirurgischen Verfahren hat sich gezeigt, dass neben einer speziellen Bildgebung künftig auch die Verwendung modernster navigationsbasierter Verfahren eine wichtige Rolle spielen wird: So werden nun vor der Operation computertomografische Aufnahmen der Leber gemacht und in ein virtuelles 3D-Modell des Organs überführt. Dieses zeigt exakt an, wo sich Tumoren befinden und welche kritischen Strukturen in der Nähe (wie Gefäße) nicht verletzt werden dürfen. Während der Operation wird dieses 3D-Modell direkt im Operationssaal auf einem Bildschirm angezeigt, der Chirurg sieht dreidimensional Gefäße, Tumore und Segmente der Leber.

Das neuartige Navigationssystem „CAS-One“, misst – ähnlich einem GPS-Navigationssystem im Auto - die Positionen aller chirurgischen Instrumente und zeigt diese innerhalb des 3D-Modells der Leber an. Der Chirurg kann sich präzise im Organ orientieren und am Bildschirm genau sehen, wohin ein chirurgisches Instrument (wie Ultraschallskalpell oder Nadel) geführt werden muss, um den Tumor oder die Metastasen vollständig zu entfernen beziehungsweise zu zerstören und dabei möglichst wenig gesundes Lebergewebe zu beeinträchtigen.

„Selbst für erfahrene Chirurgen ist eine Leber-Operation aufgrund der Anatomie, der Gewebsbeschaffenheit und der damit verbundenen hohen Komplikationsrate eine Herausforderung. Die Verbesserung der Orientierung während der Operation mit dem neuen System ist beeindruckend und erlaubt einen hochpräzisen Eingriff. Wir gehen davon aus, dass wir mit dieser Technologie in Zukunft auch bei einer Reihe bisher nicht operablen Fällen chirurgisch aktiv werden und damit mehr Patienten helfen können“, so Prof. Lang.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz