Neue Technologie für die Diagnose von Krebszellen

16/07/2014
Foto: Ärzteteam analysiert vor dem Computer

Genauere Spezifikation der Veränderung in der Krebszelle ermöglicht eine neue Software; © Syda Productions/ panthermedia.net

In der Pathologie werden Zellen und Zellkerne üblicherweise mit Hilfe des Mikroskops auf Biomarker-Expressionen in Tumoren untersucht. Auf Basis dieser Analyse werden die Therapieoptionen für den Betroffenen, etwa bei einer Krebserkrankung, abgewogen. Die diagnostische Sicherheit hängt dabei sehr vom einzelnen Pathologen ab.

In einer Studie der MedUni Wien am klinischen Institut für Pathologie sowie am Ludwig Boltzmann Institut für Krebsforschung (LBI-CR) und an der Vetmeduni Vienna unter der Leitung von Lukas Kenner wurde gezeigt, dass sich zwei unabhängige Pathologen nur bei jeder dritten Diagnose einig waren. Eine nun gemeinsam entwickelte, neue Computer-Software hilft dabei, künftig die diagnostische Sicherheit zu verdoppeln.

Das ist das Ergebnis der aktuellen Studie, die nun im Top-Magazin PlosOne veröffentlicht wurde. Die WissenschafterInnen untersuchten und analysierten dabei 30 Leberzellkarzinome und konnten diese mit Hilfe der gemeinsam von MedUni Wien und der Wiener Firma „Tissuegnostics“ entwickelten Software eindeutig in die jeweiligen Kategorien von „negativ“ bis „hochgradig positiv“ einordnen.
In der vorliegenden Arbeit wurde dazu die Expression der Proteine STAT5AB und JUNB in einem aggressiven T-Zell-Lymphom gemessen. Die Software bedient sich dabei bestimmter Algorithmen und hochsensibler Digitalfotografie und kann die Matrix der Zellen und des Zellkerns besser darstellen als unterm Mikroskop. STAT5 spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Leukämien und von Leberkrebs. Das JUNB-Gen ist an der Entstehung von Tumoren im Lymphdrüsengewebe beteiligt.

Kenner: „Das neue Programm ersetzt natürlich die PathologInnen nicht, ist aber eine ergänzende Methode, die die Sicherheit bei der Diagnose deutlich erhöht.“ Der MedUni Wien-Experte rechnet auch damit, dass die neue Technologie dazu beitragen wird, die derzeit in vier Kategorien eingeteilte Veränderung der Krebszelle künftig noch viel genauer spezifizieren zu können. Zukünftig könnte es eine deutlich feinere Kategorisierung geben und damit ein weiteres Tool, um die exakt richtige und individualisierte Therapie-Option wählen zu können.

„Krebs-Therapien sind teuer. Diese neue Software wird auch dazu beitragen, besser abwägen zu können, wo eine teure Therapie gerechtfertigt ist, aber auch, in welchem Fall eine solche nicht nötig ist und dem Betroffenen erspart bleiben kann“, sagt Kenner.

COMPAMED.de; Quelle: Medizinische Universität Wien