Darmkrebs: Neue Methode könnte Vorsorge erweitern

05.07.2013
Foto: Darmkrebs

Die Darmkrebs-Vorsorge könnte zu-
künftig um die MR-Kolonographie er-
weitert werden; © panthermedia.net/
Sebastian Kaulitzki

Wissenschaftler des Klinikums der Universität München zeigen: Die virtuelle MR-Kolonographie bringt fast ebenso gute Ergebnisse wie die herkömmliche Darmspiegelung.

Durch die Vorsorgekoloskopie, die Darmspiegelung, lassen sich Vorstufen des kolorektalen Karzinoms, sogenannte Polypen und frühe Stadien von Tumoren, rechtzeitig erkennen. Darmkrebs zählt weltweit zu den führenden krebsbedingten Erkrankungs- und Todesfällen. Nun belegt eine aktuelle Screeningstudie von Wissenschaftlern des Klinikums der Ludwig-Maximilians-Universität München eine hohe Sensitivität einer weiteren Untersuchungsmethode: der virtuellen Koloskopie mittels Magnetresonanztomographie (MR-Kolonographie).

Die bisher einzige akzeptierte Alternative zur Koloskopie ist der Test auf verstecktes Blut im Stuhl (Haemoccult-Test). Dieser ist in seiner Leistungsfähigkeit der Darmspiegelung aber weit unterlegen. Relativ neu ist die virtuelle Koloskopie, basierend auf der Computertomographie (CT). Sie ist in mehreren Studien untersucht worden. Diese Studien zeigen, dass die virtuelle CT-Koloskopie die Mehrzahl aller Neubildungen im Darm aufspürt. Sie ist in Deutschland nicht zur Vorsorge zugelassen, auch wenn die Strahlenbelastung gering ist.

Bei dieser Methode werden mittels Kernspintomographie Schichtaufnahmen des Darms erstellt, ohne Strahlenbelastung. Bei der konventionellen Koloskopie wird ein elastischer Schlauch mit Kamera und Instrumenten im Miniformat eingeführt (Endoskopie). Die Darmreinigung ist (wie bei der Endoskopie) auch bei der virtuellen Koloskopie unerlässlich. Danach wurde mittels 3 Tesla Magnetresonanztomographie und intravenöser Kontrastmittelgabe untersucht. Anschließend erhielten alle Studienteilnehmer die herkömmliche Darmspiegelung. Diese erfolgte unvoreingenommen: Der Untersucher erfuhr das Ergebnis der MR-Kolonographie jeweils erst nach dem Rückzug des Endoskops aus dem entsprechenden Darmsegment.

In der Auswertung zeigte sich, dass mit der MR-Kolonographie im Vergleich zur Endoskopie 83,8 % aller Personen mit fortgeschrittenen Adenomen oder Karzinomen identifiziert werden konnten. Der gleichzeitig durchgeführte Haemoccult-Test erkannte dagegen nur 17,6 % aller Personen mit dieser Diagnose. Die Sensitivität der virtuellen Koloskopie für Adenome ab 6 mm lag bei 87 % und für Adenome ab 10 mm bei 91 %. Somit erreicht die MR-Kolonographie deutlich bessere Ergebnisse als der Haemoccult-Test und kommt nahe an die Leistungsfähigkeit der Koloskopie heran.

Professor Frank Kolligs, Medizinische Klinik und Poliklinik II, dazu: „Zusammenfassend zeigen diese Daten, dass die MR-Kolonographie, durchgeführt mit State-of-the-art-Technologie, in der Lage ist, die Mehrzahl aller Personen mit fortgeschrittenen Adenomen und Karzinomen zu identifizieren. Bei der vorgestellten Studie handelt es sich um die erste MR-Kolonographie-Studie, die mit dem aktuellen Stand der Technik durchgeführt wurde. Können diese guten Ergebnisse in einer geplanten prospektiven und Multicenter-Studie bestätigt werden, könnte die MR-Kolonographie das Angebot zur Darmkrebsvorsorge erweitern.“

COMPAMED.de; Quelle: Klinikum der Universität München