Foto: Wassertropfen auf Lack simulieren haftende Bakterien
Ähnlich wie Wassertropfen auf Lack
sitzen Bakterien auf den Implantat-
oberflächen - jedoch können sie sich
festhaften; © Sturm/Pixelio.de

Forscher der Swinburne University of Technology haben nun eine Entdeckung gemacht, die nachhaltig dazu beitragen könnte, die Erfolgsrate künstlicher Implantate zu erhöhen und das Risiko bakterieller Infektionen in Krankenhäusern zu verringern.

Bislang war man der Meinung, dass Bakterien leichter auf rauen Oberflächen haften. Diese Auffassung beruht auf der Theorie, dass mikroskopisch kleine Mulden bei Desinfektionsprozessen negativ auffielen – die Bakterien konnten in diesen Bereich nicht vollständig entfernt werden. Einige Hersteller haben deshalb nanoglatte Implantate produziert, um Bakterien keinen Schutz bei Sterilisationsmaßnahmen zu gewähren. Mithilfe mikrobiologischer Analysetechniken und Untersuchungen mit nanoglattem Titan widerlegten die Swinburne Forscher, unter ihnen Professor Elena Ivanova, Mikrobiologin, und Professor Russell Crawford, Oberflächenchemiker, diese Theorie.

„Bakterien haften auf nanoglatten Oberflächen anders als auf rauen“, so Crawford. „Die Bakterien haften auf diesen Oberflächen, indem sie ein Sekret absondern, das Zucker und Proteine enthält und so können sie sich einfacher an der Oberfläche festhalten. Zum ersten Mal konnte nun gezeigt werden, dass die Produktion dieses 'klebrigen' Sekrets weitaus höher ist, wenn die Bakterien mit nanoglatten Flächen in Berührung kommen. Die Bakterienhaftung fällt so umso stärker aus.“

Die Entdeckung wirkt sich bedeutend auf die infektionsbedingte Abstoßung von Implantaten aus: Laut Professor Ivanova treten bei bis zu 67 Prozent der verwendeten Implantate bakterielle Probleme auf. Trotz sorgfältiger Sterilisationsprozesse scheitern so viele medizinische Implantate, vorwiegend Hüft- und Knieimplantate, weil sich einige Bakterienarten als Biofilm an das Implantat heften und so Infektionen hervorrufen.

Die Swinburne Untersuchung zeigt, dass Krankenhäuser ihre Desinfektionstechniken überdenken müssen. Hersteller von Implantaten müssen womöglich neue Desinfektionsmittel entwickeln und ihre Produktionsmethoden überprüfen. „Derzeit untersuchen wir intensiv, wodurch Biofilme entstehen und wie die unterschiedlichsten Oberflächen ihre Entstehung beeinflussen.“, so Crawford abschließend.


COMPAMED.de; Quelle: Wissenschaft Australien