Neue Diagnosemöglichkeiten für Hirnerkrankungen

Das Prinzip: Thallium-Ionen werden in Fett-Tröpfchen verpackt und ins Gehirn eingeschleust. Mittels der SPECT-Technologie lassen sich damit gesunde, aktive Nervenzellen von Infarkt-geschädigten Hirnregionen unterscheiden.

Das sogenannten Single photon emission computed tomography (SPECT)könnte ergänzend zu computertomographischen (CT) und Magnet-Resonanz-Tomographie(MRT)-Untersuchungen direkte Einblick in den Nervenzellstoffwechsel liefern.

Bei SPECT-Untersuchungen werden den Patienten winzige Mengen radioaktiver Substanzen, sogenannte Radiopharmaka oder Radiotracer, injiziert, deren Verteilung mit hochempfindlichen Tomographen gemessen und als dreidimensionales Bild sichtbar gemacht wird. Aus der Art und Weise, wo und wie schnell sich bestimmte Moleküle im Körper anreichern oder wieder ausgeschieden werden, lassen sich wertvolle Schlüsse auf Krankheitsvorgänge ziehen. Die Diagnostik von Hirnerkrankungen mit diesem Verfahren stößt allerdings auf besondere Schwierigkeiten, da nicht alle Radiopharmaka durch die Blut-Hirn-Schranke ins Gehirn eindringen können.

Kürzlich gelang es den Teams von Prof. Klaus Reymann und Prof. Henning Scheich vom Magdeburger Leibniz-Institut für Neurobiologie, einen bereits aus der Herzdiagnostik bekannten Tracer, das Isotop Thallium-201 ins Gehirn einzuschleusen. Wie Dr. Jürgen Goldschmidt und Dr. Ulrich Schröder berichten, konnte mit Hilfe einer chemischen Verpackung, einem lipophilen Komplex, Thallium durch die abdichtenden Zellmembranen der Blut-Hirn-Schranke geschleust werden.

In ihren Untersuchungen an einem tierexperimentellen Schlaganfall-Modell konnten die Magdeburger Forscher inzwischen die Abhängigkeit der Thallium-Aufnahme vom Grad der Schädigung an einzelnen Nervenzellen mikroskopisch nachweisen.

Auf dem inzwischen zum Patent angemeldeten Verfahren aufbauend wird nun versucht, die Aktivität der Nervenzellen anhand der Thallium- Verteilung nicht-invasiv mittels der SPECT-Technologie im gesamten Gehirn darzustellen.

COMPAMED.de; Quelle: Leibniz-Institut für Neurobiologie