Herz: Neuartiger Defibrillator als Schutzengel

06.12.2013
Foto: S-ICD

Der S-ICD wird in der seitlichen Region des Brustkorbes unter dem linken Arm direkt unter der Haut platziert. Eine elektrische Leitung, die zum Brustbein läuft, wird ebenfalls unter die Haut gelegt; © Universitätsklinikum Frankfurt

Das Frankfurter Universitätsklinikum setzt als eines der ersten Krankenhäuser in Deutschland einen neuartigen Defibrillator ein. Die „State of the Art“-Technologie korrigiert Herzflimmern auf sehr schonende Weise.

In der Kardiologie des Universitätsklinikums Frankfurt wurde Ende Oktober erstmals ein neuartiger Defibrillator implantiert. Ein solches Gerät kann durch gezielte Stromstöße lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen wie zum Beispiel das Kammerflimmern beenden. Herkömmliche Defibrillatoren werden unter dem Schlüsselbein eingesetzt und bis zu drei Elektroden des Gerätes über zentrale Blutgefäße direkt zum Herzen geführt.

Die neue Technologie mit dem Namen S-ICD wird subkutan implantiert, das heißt in das Gewebe direkt unter der Haut. „Mit dem neuen System bleiben Gefäße und Herz unberührt und werden dadurch geschont“, erklärt Prof. Andreas Zeiher, Direktor der Medizinischen Klinik III/Kardiologie am Universitätsklinikum. Deutschlandweit gibt es nur wenige Kliniken, die diese Technologie bereits angewendet haben. „In der Rhein-Main-Region sind wir die Ersten, bei denen Patienten von dieser zukunftsweisenden Technologie profitieren können“, sagt der zuständige Oberarzt Dr. Felix Gramley.

Der S-ICD wird in der seitlichen Region des Brustkorbes unter dem linken Arm direkt unter der Haut platziert. Eine elektrische Leitung, die zum Brustbein läuft, wird ebenfalls unter die Haut gelegt. Am Ende dieses dünnen Drahtes gibt es einen Pol, über den die Herzaktivitäten gemessen und bei Bedarf gezielt gesteuert werden können. Rast das Herz, wird es vom S-ICD durch elektrische Impulse praktisch heruntergefahren. Ist es zu langsam, wird es munter gemacht.

Bei der nötigen Operation wird in einem geringeren Umfang als bei herkömmlichen Defibrillatoren in den menschlichen Körper eingegriffen, weil man nur in das Gewebe direkt unter der Haut implantiert. Dadurch werden Gefahren wie Entzündungen und Verletzungen der Gefäße oder Lunge wesentlich reduziert. Besonders schonend ist die Operation, weil die Frankfurter Kardiologen den Eingriff in örtlicher Betäubung durchführen.

„Für die oft schwerkranken Herzpatienten, die außerdem unter häufigen Infekten oder einer Immunschwäche leiden, ist der S-ICD eine wichtige Innovation“, sagt Zeiher. Der Minicomputer mit Akku ist so groß wie eine Kinderhandfläche und so teuer wie ein Kleinwagen. Nach Angabe des Herstellers funktioniert er je nach Inanspruchnahme durch das Herz sechs bis acht Jahre. Anschließend sei ein Austausch problemlos möglich.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Frankfurt