Sehfähigkeit: Neuartige Netzhautprothese implantiert

05.09.2013

Augenärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) haben eine neuartige Netzhautprothese implantiert, die Patienten mit einer angeborenen schweren Netzhauterkrankung funktionale Sehkraft zurückgeben kann.

„Die 69-jährige Patientin leidet an Retinitis pigmentosa, einer vererbten Augenkrankheit, bei der die Photorezeptoren der Netzhaut absterben, der Sehnerv aber intakt bleibt. Die Sehkraft dieser Patientin verschlechterte sich immer stärker und führte zu völliger Blindheit“, erläutert Prof. Gisbert Richard.

Bei der Operation kam das sogenannte „bionische Auge“ zum Einsatz. Dabei wird eine Retina-Prothese („Argus II“) in das Auge eingesetzt. Das Implantat stimuliert die Nervenzellen der Netzhaut, um wieder visuelle Eindrücke bei blinden Menschen hervorzurufen. Das System überträgt Videobilder, die durch eine Miniaturkamera in der Brille des Patienten erfasst werden, an Elektroden, die auf die Oberfläche der Netzhaut implantiert werden. Patienten lernen, die entstehenden visuellen Muster zu interpretieren und können sich damit wieder visuell im Raum orientieren.

„Das Argus II-Implantat bedeutet einen großen medizinischen Fortschritt für unsere Patienten“, sagt Richard. „Menschen, die durch die Erbkrankheit Retinitis pigmentosa vollständig erblinden, können nun wieder lernen, sich visuell zu orientieren, Hindernissen auszuweichen und teilweise sogar wieder Buchstaben lesen.“ Auch die 69-jährige Patientin, die am 4. Juli operativ im UKE behandelt wurde, hat in den vergangenen Wochen erhebliche Fortschritte gemacht.

In der klinischen Erprobung befindet sich in der Augenklinik ein weiteres Implantat, das Intelligente Retina Implantat System (IRIS), das maßgeblich von Richard und seinem Team entwickelt wurde. Es soll erblindeten Menschen helfen, einen Teil ihrer Sehfähigkeit wiederzuerlangen und damit ihre Lebensqualität erheblich zu verbessern. Auch dieses Implantat wird bei degenerativen Erkrankungen der Netzhaut, für die es bisher keine ausreichenden Therapien gibt, angewendet.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)