Neuartige Methode macht Früherkennung von Eierstockkrebs möglich

13.11.2015
Grafik: Eierstock

In der Studie konnte gezeigt werden, dass bei Vorliegen von Eierstockkrebs in 80 Prozent Tumorzellen in der Spülflüssigkeit gefunden werden können; © panthermedia.net/ Michael Osterrieder

Jährlich erkranken rund 1.000 Frauen in Österreich an dem Eierstockkrebs (Ovarialkarzinom). Etwa 75 Prozent davon entstehen im Eileiter. Mit Hilfe eines von Paul Speiser von der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien und von der Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie entwickelten, "Dreiwege"-Katheters könnte eine Früherkennung zukünftig möglich sein.

"Derzeit gibt es nur zwei Krebsarten, bei denen die Früherkennungsmethoden von der amerikanischen Präventions-Task Force mit einem "A" als äußerst zielführend beurteilt werden", so Speiser, der auch Mitglied des Comprehensive Cancer Centers Vienna (CCC) der MedUni Wien und des AKH Wien ist, "nämlich beim Gebärmutterhalskrebs und beim Dickdarmkarzinom. Unsere Entwicklung könnte eine dritte Krebsform erschließen."

Dazu entwickelte Speiser einen Katheter, der verhindert, dass die Spülflüssigkeit in den Bauchraum abfließt, und nahezu schmerzfrei gesammelt werden kann.

In der nun publizierten Studie konnte gezeigt werden, dass bei Vorliegen von Eierstockkrebs in 80 Prozent Tumorzellen in der Spülflüssigkeit gefunden werden können. Weiter konnte gezeigt werden, dass bei einer Probandin, die sich bereits für eine vorbeugende Eierstockentfernung entschlossen hatte mit Unterstützung einer Form des Next Generation Sequencing in der gewonnenen Spülflüssigkeit ein okkultes, also verstecktes, Karzinom befand. "Die Ergebnisse lassen hoffen, dass zumindest die Früherkennung bald möglich sein wird", erklärt Speiser.

Eine wichtige Entwicklung, denn das Eierstockkarzinom zeigt kaum Symptome und wird bei rund drei Viertel aller Betroffenen sehr spät entdeckt. In einem späten Stadium ist das Ovarialkarzinom mit einer sehr schlechten Prognose für die Lebensdauer der Betroffenen verbunden.

Die Studie wurde von der MedUni Wien angestoßen, geleitet und in Kooperation mit dem Zentren in London, Dublin, Mailand, Graz, Berlin, Hamburg, Prag, Pilsen, Leuven und Essen durchgeführt. Weiters werden diese und weiterführende Studien in enger Zusammenarbeit mit Bert Vogelstein von der John’s Hopkins University in Baltimore gemacht. Ziel der Wissenschaftler ist es, die Entnahme der Spülflüssigkeit und deren Analyse so weit zu entwickeln, dass das "in jedem Spital und in jeder gynäkologischen Ordination ganz leicht angewendet werden kann", so Speiser. Weitere Studien sollen auch zeigen, ob es möglich ist, mit dieser Methode frühzeitig Tumoren oder ihre Vorstufen (STIC) zu entdecken und die Erkrankung dadurch möglicherweise überhaupt zu verhindern.

COMPAMED.de; Quelle: Medical University of Vienna

Mehr über die MedUni Wien unter: www.meduniwien.ac.at