Mukoviszidose: Nano-Transportsystem liefert inhaliertes Wirkstoff-Paket in die Lunge

12.12.2014
Foto: Nanopartikel

Mit einem neuartiges Nano-Transportsystem ist eine gezielte Behandlung von Mukoviszidose möglich; © Wolfgang Rieger/ panthermedia.net

Ein neuartiges Nano-Transportsystem für Medikamente ermöglicht, Wirkstoffe in hoher Konzentration zu verpacken, gezielt abzuliefern und erst dort freizusetzen, wo sie wirken sollen.

Nazende Günday-Türeli, Mitarbeiterin der Firma MJR PharmJet aus dem Starterzentrum der Saar-Universität und Doktorandin in Saarbrücken und Marburg, entwickelte die Technologie als Behandlungsmethode gegen Infektionen, die bei Mukoviszidose auftreten. Die neue Methode kann aber auch bei Wirkstoffen gegen verschiedenste Krankheiten oder in der Kosmetik zum Einsatz kommen.

Die Technologie entwickelte Günday-Türeli mit Forschern vom Saarbrücker Campus, des Helmholtz-Instituts für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) und der Philipps-Universität Marburg.

Gegen viele Krankheiten existieren heute wirksame Arzneistoffe. Um zu wirken, müssen sie im Körper aber genau dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. So auch die antibiotischen Wirkstoffe gegen Infektionen, die häufig bei Patienten mit cystischer Fibrose, auch Mukoviszidose genannt, auftreten: Bei dieser Erbkrankheit sitzt zähflüssiger Schleim in den Bronchien fest, der Krankheitserregern einen Nährboden bietet und gleichzeitig Hindernis für Arzneimittel ist. Wird der Wirkstoff über die Blutbahn nach dem Gießkannenprinzip überallhin transportiert – also nicht nur, sondern auch an den Wirkort, in diesem Fall die Lunge, – dann zeigt er auch an Orten Wirkung, wo er es gar nicht soll: Nebenwirkungen treten auf. Deshalb arbeitet die pharmazeutische Forschung heute daran, den Wirkstoff-Transport zu verbessern und gezielter zu machen: Wie bei einem Paketdienst soll das Wirkstoff-Paket gepackt, gezielt zugestellt und erst vor Ort ausgepackt werden.

Nazende Günday-Türeli hat eine neue Methode entwickelt, antibiotische Wirkstoffe in Nano-Behältnissen zu verkapseln. Diese Nanopartikel-Transporter werden mithilfe der patentierten „Mikrojetreaktor-Technologie“ hergestellt. Der Wirkstoff wird dabei nicht verändert und kann hochdosiert geladen werden. Er wird vom Patienten inhaliert, überwindet die Barriere aus Lungenschleim und Biofilm und liefert das Antibiotikum gezielt am Infektionsherd ab. Nach der Wirkstoff-Lieferung werden die Nano-Transporter vom Körper abgebaut. Der Wirkstoff-Paketdienst wurde für Antibiotika entwickelt, er kann aber auch Medikamente gegen verschiedenste Krankheiten zustellen und beispielsweise auch bei Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetik zum Einsatz kommen.

Der gezielte Wirkstoff-Transport über die körpereigenen Barrieren wie Darm- oder Lungenschleimhaut ist ein Forschungsschwerpunkt der pharmazeutischen Forschung an der Saar-Universität in der Arbeitsgruppe von Prof. Claus-Michael Lehr am Lehrstuhl Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie der Saar-Uni und der Abteilung „Wirkstoff-Transport“ am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) auf dem Campus. Beide sind gemeinsam mit Prof. Marc Schneider, der jetzt von der Universität Marburg nach knapp zwei Jahren wieder zurück an die Saar-Uni wechselt, beteiligt am Projekt FiDel, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, und in dessen Rahmen die neue Technologie entwickelt wurde.

COMPAMED.de; Quelle: Universität des Saarlandes