Mit zellähnlichen Gebilden gegen Krebs

Grafik: Silikatkern mit äußerer Proteinschicht

Medikamente, die sich selbstständig ihren Weg durch den Körper bahnen und am Ziel angekommen genau die kranken Zellen angreifen - das ist seit jeher der Traum von Medizinern. Die Fraunhofer-Forscher vom Themenverbund Nanotechnologie sind diesem Ziel ein Stück näher gekommen: mit biofunktionellen Nanopartikeln. "Diese zellähnlichen Gebilde haben einen festen Kern, der umgeben ist von Proteinen, die Krebszellen aufspüren und vernichten", erklärt Dr. Günter Tovar vom Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB.

"Die Kommunikation im menschlichen Körper ist ein biochemischer Prozess: Sie basiert auf dem Austausch von Molekülen", so Tovar. "Wir versuchen diese Kommunikation zu verstehen und für unsere Zwecke zu nutzen." Der Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) beispielsweise setzt ein Molekül frei, das an den Rezeptoren der Krebszelle andockt und seine tödliche Botschaft überträgt. Um den Botenstoff TNF in den Körper einzuschleusen, haben Tovar und seine Kollegen von der Universität Stuttgart biofunktionelle Nanopartikel entwickelt. Diese Nanocytes® tragen an der Oberfläche TNF-Proteine.

"Bei der Herstellung dieser Partikel profitieren wir von der Fähigkeit der ’Bausteine’ zur Selbstorganisation: Ist der Kontakt zwischen Partikeln und Proteinen einmal hergestellt, überwachsen die Proteine die Kerne ohne weiteres Zutun", erklärt Tovar. Die fertigen Nanopartikel hat der Forscher in der Petrischale getestet. Das Ergebnis: Krebszellen, die mit den Partikeln in Berührung kamen, starben ab.

Langwierige und zeitaufwändige Studien sind notwendig, um die Nanopartikel jemals im Kampf gegen Krebs einzusetzen. Derweil könnten sich die biofunktionellen Nanopartikel aber schon in der Praxis bewähren: beispielsweise als Werkzeug für die Zellforschung oder als Bestandteil von Reagenzien für die medizinische Analytik.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft