Kardiologie: Mini-Herzunterstützungspumpe erstmals implantiert

10.05.2013
Foto: Mini Pumpe

Die Herzunterstützungspumpe kann mit einem vergleichsweise gefahrlosen Eingriff in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert werden; © Universitäts-
klinikum Würzburg

Die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe wurde in diesem Frühjahr am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg bei einem Patienten eingesetzt. Sie ist eine schonende Brückenlösung bis zu einer Spenderherztransplantation.

Transplantationspatienten müssen auf ein Spenderherz oft mehrere Jahre warten. Herzunterstützungspumpen sind dann eine von wenigen Möglichkeiten, die Zeit bis zur Transplantation zu überbrücken. Als erste Klinik in Bayern hat die von Professor Rainer Leyh geleitete Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie am Universitätsklinikum Würzburg die weltweit kleinste Herzunterstützungspumpe erfolgreich einem schwer herzkranken Patienten implantiert. „Der 67-Jährige hätte aller Voraussicht nach nicht rechtzeitig ein Spenderherz bekommen“, berichtet Professor Ivan Aleksic, der den Eingriff im April dieses Jahres durchgeführt hat. Der Patient ist nach der Operation wieder wohlauf und berichtet von einer deutlichen Besserung seiner Beschwerden. „Er kann wieder ohne Luftnot laufen und die Nierenfunktion, die durch die Herzschwäche, sehr eingeschränkt war, hat sich wieder völlig normalisiert", sagt Aleksic.

Die neue Pumpe ist kaum größer als eine Mignon-Batterie (AA) und wiegt nur 25 Gramm. Trotzdem kann das Gerät bis zu vier Liter Blut in der Minute pumpen. Das sind 80 Prozent der Pumpleistung eines gesunden Herzens. Wegen seiner geringen Größe kann das System ähnlich wie ein Herzschrittmacher unter der Haut in der Nähe des Schlüsselbeins implantiert werden. Bisher war für das Einsetzen solcher Herzunterstützungssysteme die Öffnung des Brustkorbs unter Verwendung einer Herz-Lungenmaschine nötig. „Die Operation zum Implantieren der kleinen Herzunterstützungspumpe ist sehr viel schonender. Dadurch können wir das Operationsrisiko für die Kranken deutlich senken", schildert Aleksic.

Das neue Verfahren wird am Deutschen Zentrum für Herzinsuffizienz in Würzburg von einem Expertenteam aus Herzchirurgen, Anästhesisten, Intensivmedizinern und Kardiologen durchgeführt. Die Mediziner sind auf die Behandlung von Patienten mit besonders starker Herzschwäche spezialisiert. Gemeinsam führen sie die Voruntersuchungen, die Implantation und die Nachbetreuung der Patienten durch. „Wir setzen unsere ganze interdisziplinäre Erfahrung ein und hoffen, mit diesem System die Lebensqualität schwer herzkranker Menschen weiter zu verbessern", sagt Leyh.

Im Rahmen einer internationalen Studie wird die Klinik für Thorax-, Herz- und Thorakale Gefäßchirurgie eng mit anderen weltweit führenden Herzzentren kooperieren. So dienen die gewonnenen Erfahrungen mit der neuen Herzunterstützungspumpe dazu, diese zum Nutzen weiterer Patienten fortzuentwickeln.

COMPAMED.de; Quelle: Universitätsklinikum Würzburg