24.08.2007

Mesa Parts

Mesa kann mehr als präzise drehen

BZ-Interview mit Manfred Waibel, dem Technischen Geschäftsführer von Mesa Parts Lenzkirch über künftige Unternehmensziele
Badische Zeitung vom 08.08.2007

Seit sieben Monaten heißt der Technische Geschäftsführer bei Mesa Parts Manfred Waibel. Der 41-jährige gebürtige Allgäuer studierte Maschinenbau an der TU München. Von 1995 bis 2005 war er in verschiedenen Positionen in einem mittelstänischen Unternehmen in Bayern tätig und gehört seit Januar 2006 zu Mesa Parts. BZ-Mitarbeiter Tino Heeg sprach mit Manfred Waibel über die Zukunft des Lenzkicher Unternehmens.

BZ: In Deutschland geht es wirtschaftlich bergauf. Wie geht es Mesa Parts ?
Waibel: Mesa Parts ist sehr gut ausgelastet. Wir haben volle Auftragsbücher, stehen aber im Automobilbereich auch unter einem sehr hohen Kostendruck. Unsere Aufgabe ist es, diesem Druck zu antworten und die Kostenstrukturen und die Prozesse entsprechend zu optimieren.

BZ: Was heißt das im Alltag konkret ?
Waibel: Wir müssen schauen, dass wir unsere Prozesse so abbilden, dass wir besser sind als unsere Mitbewerber. Wir müssen unsere Produktionsprozesse so gestalten, dass wir so wenig nicht-wertschöpfende Tätigkeiten wie möglich haben. Denn wer ein Teil 20-mal in die Hand nimmt, hat höhere Kosten als jemand, der es nur fünfmal anfasst.

BZ: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung in der Automobilbranche ?
Waibel: Ich denke, es wird eine Zweiteilung geben: Es wird zum einen ein Premium-Segment geben und zum anderen ein Segment für günstige Autos. Doch auch bei den günstigen Autos werden ABS-System und Einspritzsysteme integriert werden, die aber deutlich kostengünstiger sind als heute.

BZ: Also gute Aussichten für Mesa Parts ?
Waibel: Das sind Chancen für weiteres Wachstum. Eine wichtige Aufgabe ist, unsere Mitarbeiter stärker in die Verbesserung von Prozessen zu integrieren. Wir haben Stärken in Deutschland wir haben sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, wir haben Facharbeiter, doch wir müssen dieses Wissen noch stärker nutzen.

BZ: Aber im Hochschwarzwald besteht ein akuter Facharbeitermangel.
Waibel: Ja, damit hat Mesa auch zu kämpfen. Aber deshalb hat Mesa seit mehreren Jahren eine Ausbildungswerkstatt, die von ihrer Kapazität im letzten Jahr verdoppelt wurde. Wir haben 36 Auszubildende, und wir werden weiter sehr stark ausbilden, nicht nur Facharbeiter, sondern wir qualifizieren verstärkt auch berufsbegleitend etwa durch Techniker- oder Meisterweiterbildungen. Wir denken zudem über eine innerbetriebliche Qualifikationsmaßnahme nach, bei der wir Mitarbeiter ohne Facharbeiterausbildung weiterqualifizieren können. Denn wir gehen davon aus, dass wir den Facharbeiterbedarf der nächsten Jahre nicht abdecken können. Es gibt ein Potenzial im Bereich von eher gering qualifizierten Bewerbern und Mitarbeitern, denen wir gerne neue Perspektiven aufzeigen möchten etwa sie zum Maschinen- und Anlagenführer (IHK) zu qualifizieren. Das bedeutet im ersten Schritt die Qualifizierung zum Maschinenbediener. Und darauf lassen sich weitere Qualifikationsmaßnahmen aufbauen.

BZ: Wie viel Fachkräfte fehlen zurzeit ?
Waibel: Im Facharbeiterbereich der Produktion sind aktuell fünf Stellen offen. In den vergangenen sechs Monaten haben wir zwar sehr viele neue Mitarbeiter rekrutiert, arbeiten aber aktuell trotzdem noch mit Leiharbeitskräften, um diesen Mangel etwas zu kompensieren.

BZ: Thema Standort Hochschwarzwald: Wie sehen Sie die aktuelle Verkehrssituation für Mesa in der Region?
Waibel : Unsere Mitarbeiter kommen nicht nur aus Lenzkirch, sondern aus einem Radius von 30 bis 40 Kilometern, also ist die Verkehrsanbindung für uns sehr wichtig. Und wenn die Bahnverbindung von Freiburg über Titisee nach Schluchsee eingeschränkt wird, sind das schlechte Nachrichten für uns.

BZ: Mesa Parts ist jetzt 111 Jahre alt geworden, ein Familienunternehmen in der vierten Generation. Ist das mehr Chance oder mehr Hypothek ?
Waibel: Eine Riesenchance! Ein Familienunternehmen mit geklärten Eigentumsverhältnissen hat den enormen Vorteil, dass hier langfristig gedacht wird und nicht nur bis zum nächsten Quartal. Sehr positiv ist auch: Der Generationenwechsel von der dritten zur vierten Generation hat bei Mesa ausgesprochen gut funktioniert. Das bestätigt auch die Entwicklung des Unternehmens. Bei Mesa Parts sind beide Standorte Lenzkirch und Nachod/Tschechien in den vergangenen zehn Jahren stetig gewachsen.

BZ: Ist bei Mesa weiteres Wachstum geplant ?
Waibel: Ja, sowohl in Lenzkirch als auch in Tschechien. Allerdings ist unser Ziel: Wachstum mit unserem vorhandenen Mitarbeiterpotenzial. Wir wollen das Wachstum über Produktivitätssteigerungen abbilden.

BZ: Im vergangenen Jahr firmierte das Unternehmen um: von Mesa Feindrehteile zu Mesa Parts und wählte den Leitspruch: Turning into Solutions. Ein Zeichen für die Globalisierung ?
Waibel: Das ist nach außen ein Zeichen der Internationalisierung, aber auch das Signal: Wir können mehr als nur Drehteile, wir können dem Kunden auch Baugruppen liefern, Engineering bieten, Problemlösungen für Drehteile und drehteilbasierte Baugruppen. Wir haben schon heute einen Exportanteil von über 45 Prozent. Deshalb war es auch hier wichtig, einen Namen und einen Leitsatz "Turning into Solutions" zu haben, der international verstanden wird. Allerdings war es schon etwas schwierig, "Feindrehteile" zu übersetzen (lacht).