Epilepsie: Mehr Bewegungsfreiheit für Patienten

12.11.2013
Foto: Epilepsiepatient wird überwacht

Test-System für automatisches Monitoring via Barcode-Labels; © Fraunhofer IOSB, NIHON KOHDEN

Epilepsie-Monitoring ist eine essentielle Maßnahme zur zuverlässigen Feststellung von unkontrollierbaren Anfällen und zur Vorbereitung operativer Eingriffe. In Epilepsie-Monitoring-Stationen (Epilepsy Monitoring Unit, EMU) werden hierzu Langzeitbeobachtungen mithilfe von Video-EEG durchgeführt.

Durch die Videoaufzeichnungen werden die physischen Aktivitäten des Patienten festgehalten, einschließlich der Anfälle selbst sowie vorangegangene als auch darauf folgende Ereignisse und Aktivitäten. Gleichzeitig werden zusätzlich zur Videoaufzeichnung EEG-Daten über die Gehirnaktivitäten festgehalten.

Video und EEG Information zusammen ermöglichen den Ärzten den Typ des Anfalls zu klassifizieren und die auslösende Stelle im Gehirn genau zu lokalisieren. Um aber selbst kleine physische Aktivitäten wie beispielsweise Muskelzuckungen im Video zu erkennen, ist es zum einen notwendig den Patienten stets im Fokus der Kameras zu behalten. Zum anderen sollten aber Patienten dennoch die Möglichkeit haben, während des langen Aufenthalts in der Beobachtungsstation sich möglichst frei zu bewegen.

Moderne Video-EEG-Systeme ermöglichen dies durch den Einsatz von Schwenk-Neige-Zoom-Kameras. Diese werden in der Praxis vom medizinischen Personal manuell gesteuert um den Patienten stets im Kamerablickfeld zu behalten. Gleichzeitig muss der Systembediener allerdings auch die EEG Aktivitäten überwachen und interpretieren. Diese kontinuierliche Doppelbelastung erfordert eine hohe Aufmerksamkeit der Pflegekräfte und führt über einen längeren Zeitraum zu Ermüdungserscheinungen. Weiter setzt die manuelle Kameranachführung eine ständige Anwesenheit des medizinischen Personals an der Steuerkonsole der Kamera voraus, was nur bedingt über einen längeren Zeitraum gewährleistet werden kann.

Um das medizinische Personal bestmöglich bei dieser Aufgabe zu unterstützen hat NIHON KOHDEN gemeinsam mit dem Fraunhofer IOSB ein innovatives automatisches Patienten-Tracking-System entwickelt. Dieses besteht aus zwei Kameras und einer neuen leistungsfähigen Patienten-Tracking-Software, welche die Live-Kamerabilder in Echtzeit analysiert, die Patienten automatisch erkennt, im Video verfolgt und schließlich in der Lage ist, die Kameranachführung automatisch durchzuführen.

Das Zwei-Kamera-System besteht aus einer statischen Weitwinkelkamera welche eine Übersicht des kompletten Beobachtungsraum bietet, in Kombination mit einer Schwenk-Neige-Zoom-Kamera für die hochaufgelöste Patientenbeobachtung durch die aktive Nachführung.

Die Kernkomponente des Systems ist die neue leistungsfähige Patienten-Tracking-Software mit den integrierten Echtzeit-Videoanalyseverfahren für Patientenerkennung und -begleitung sowie die automatische Kameranachführung. Hocheffiziente und robuste Detektoren für visuelle Marken in Kombination mit farbbasierte Objektverfolgungsalgorithmen ermöglichen die echtzeitfähige Positionsbestimmung des Patienten im Raum, und somit eine entsprechende vollautomatische Nachführung der Schenk-Neige-Zoom-Kamera auf den Patienten.


COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer - IOSB