Management bei chronischem Leberversagen

Das Gesamtsystem besteht im Wesentlichen aus einem zellbasierten Leberunterstützungssystem, einer häuslichen Monitoring-Plattform und einem übergeordneten Informationssystem für die telemedizinische Versorgung von Lebererkrankten.

Ziel des im Oktober 2011 angelaufenen vierjährigen Forschungsvorhabens ist es, eine sichere und kostengünstige Systemplattform für die ambulante, kontinuierliche, kontextsensitive, multiparametrische Überwachung und Therapie von Patienten mit chronischem Leberversagen bereitzustellen, die zu einer höheren Qualität der medizinischen Behandlung führt und zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität der Patienten beiträgt. Damit sollen Häufigkeit und Dauer von bislang nötigen Krankenhausaufenthalten bei Leberpatienten reduziert und so Kosten für das Gesundheitssystem gesenkt werden. Im Gegensatz zu bereits existierenden Leberunterstützungssystemen überwacht das „d-LIVER“-System nicht nur Patientenparameter, sondern auch den Zustand der Zellen des Leberunterstützungssystems und führt Versorger und Patienten durch die Therapie.

Die Leber ist ein komplexes Organ, welches eine Vielzahl von Vitalfunktionen erfüllt. Ein Leberversagen stellt daher eine lebensbedrohende Situation dar. Leberversagen kann entweder akut oder chronisch auftreten. Für beide Krankheitsbilder stellt in der Regel die Lebertransplantation die einzige kurative Therapieoption dar. Allerdings ist die Zahl der Leberpatienten weit größer als die Zahl der zur Verfügung stehenden Spenderlebern. Als Alternative zu oder während des Wartens auf eine Lebertransplantation ist die Behandlung mit einer künstlichen Leber denkbar, welche zwar den Patienten nicht unmittelbar heilt, aber das Organ entlastet und so der Leber die Möglichkeit gibt, sich zu erholen.

Darüber hinaus ist die künstliche Leber einsetzbar, wenn eine Lebertransplantation kontra-indiziert ist wie zum Beispiel im Falle einer Leberresektion bei Patienten mit bösartigen Geschwülsten. In der medizinischen Praxis sterben heute viele Patienten an der Folge einer Leberresektion, da sich die Leber ohne Unterstützung nicht schnell genug erholen kann. Die Überbrückung dieses Zeitraumes mittels künstlicher Leber, welche temporär wichtige Leberfunktionen ersetzt, könnte in vielen dieser Fälle die Leber entlasten, ein Erholen des Organs begünstigen und somit Leben retten.

Das Ziel des Projekts „d-LIVER“ ist die Entwicklung eines bioartifiziellen Leberunterstützungssystems, welches für kontinuierliche aber zeitlich begrenzte Blutwäsche- und Leberersatzsitzungen am Point-of-Need, beispielsweise im Krankenhaus oder auch beim Patienten zu Hause, einsetzbar ist. Für den zuverlässigen Einsatz des Systems im ambulanten Bereich ist es essenziell, das System und insbesondere den Patienten während der Leberdialyse und zuhause unter Einsatz neuartiger Sensoren und Informations- und Kommunikationstechnologien zu überwachen.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT