Technik: Labor für das Krankenhaus der Zukunft

19.07.2013
Foto: OP-Saal

Automatische Dokumentation mithilfe von RFID-Funkchips sowie ein mobiler OP-Tisch, der weniger Umbettungen erfordert, entlasten das OP-Personal; © Markus Steur/Fraunhofer

Mit der Eröffnung des „Hospital Engineering Labors“ im Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg gibt es jetzt eine Forschungs- und Kooperationsplattform, in der erprobt wird, wie sich Kliniken aufstellen und organisieren müssen – für eine effiziente und wettbewerbsfähige Zukunft.

Jedes fünfte Krankenhaus steckt in den roten Zahlen. Wachsende Defizite aber können die Wenigsten auf Dauer verkraften. Es gilt, dem wirtschaftlichen Druck standzuhalten und zugleich die Versorgungsqualität der Patienten sicherzustellen. Um das zu erreichen, müssen Kliniken ihre Behandlungsabläufe verbessern, unnötige Kosten minimieren und Lösungen für das Personal- und Materialmanagement überarbeiten. Das ist einfacher gesagt als getan, denn die Leistungsfähigkeit eines Krankenhauses beruht auf mehreren Faktoren: der medizinischen Expertise, effizienten Hightech-Systemen und eng verzahnten Abläufen zwischen Verwaltung, Stationen, Ärzten und Zulieferern, beispielsweise für medizinische Produkte oder Lebensmittel.

Nach mehrmonatiger Bauzeit startet nun das „Hospital Engineering Labor“ im Duisburger Fraunhofer-inHaus-Zentrum. Federführend sind die vier Fraunhofer-Institute aus dem Ruhrgebiet – für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme IMS in Duisburg, für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen, für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund sowie das projektleitende Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund. Zusammen mit derzeit mehr als 80 Industrie-, Netzwerk- und Wissenschaftspartnern bündeln die dortigen Healthcare-Experten ihr Know-how mit dem Ziel, durch Hospital Engineering brachliegendes Innovationspotential zu mobilisieren und die großen Kostenblöcke im Klinikbetrieb in den Griff zu bekommen. „Wir wollen im gesamten Prozessgeschehen einer Klinik unnötige Kosten vermeiden und durch intelligente Technik eine höhere Versorgungsqualität und Kosteneffizienz erreichen“, sagt Doktor Wolfgang Deiters.

Das „Hospital Engineering Labor“ bietet Anwendern, Herstellern und Wissenschaftlern auf rund 350 Quadratmetern eine moderne Entwicklungs- und Testumgebung mit Operationssaal, Patienten-, Schwestern- und Arztzimmer, Rehabereich mit Trainingsgeräten sowie Lager- und Funktionsräumen. Im Modell-Krankenhaus lassen sich vielfältige Klinikszenarien unter Alltagsbedingungen analysieren: von der Material- über die Energieversorgung bis hin zur informationstechnischen Vernetzung beispielsweise mit angeschlossenen Rehaeinrichtungen oder niedergelassenen Ärzten. Selbst neue Abläufe oder Verfahren können mit Blick auf Patientensicherheit und Kostenaufwand bewertet werden.

Mehrere Schwerpunktthemen haben sich bereits herausgebildet, zum Beispiel sensorgestützte Assistenzsysteme. Sie bieten mehr Komfort und Sicherheit für Patienten, indem sie es ermöglichen, die Umgebung an spezielle Patienten-Bedürfnisse auszurichten – beispielsweise eine automatische Höhenanpassung der Badausstattung an Patienten, die nicht stehen können. Derartige Funktionen verschaffen dem Personal mehr Zeit, die es für die Pflege der Kranken aufwenden kann. Ein weiteres Thema sind mobile Funkchips auf Basis von Radio Frequency Identification, kurz RFID.

COMPAMED.de; Quelle: Fraunhofer-Gesellschaft