Kritische Stellungnahme von Ökonomen

Die mehr als 20 Unterzeichner sind seit Jahren auf dem Gebiet tätig und auch international als Experten anerkannt. Zu Ihnen gehören beispielsweise Prof. Dr. Jürgen Wasem von der Universität Duisburg- Essen und Prof. Dr. Klaus-Dirk Henke aus Berlin.

Ihre Stellungnahme richtet sich sowohl an das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), das zukünftig auch für die wirtschaftliche Bewertung von Arzneimitteln zuständig sein soll, als auch an die Mitglieder des Gesundheitsausschusses im Bundestag, die in Kürze mit den Beratungen des Gesetzentwurfes beginnen werden.

Die Ökonomen begrüßen zwar grundsätzlich die Einführung von Kosten-Nutzen-Analysen im deutschen Gesundheitssystem, halten die konkrete Ausgestaltung im Gesetz und im Methodenpapier des IQWiG aber teilweise nicht für sachgerecht. So sollten nach ihrer Ansicht nicht nur von Fall zu Fall gesundheitsökonomische Aspekte in die Bewertung mit einfließen, sondern grundsätzlich bei jeder Bewertung durch das IQWiG einbezogen werden. Für die Bewertung der Kosten seien dann "anteilige Entwicklungskosten" der Medikamente (wie im Gesetzentwurf vorgesehen) nicht der richtige Maßstab. Entscheidend sei allein der Einfluss der Wirkstoffe auf die gesamten, sektorübergreifenden Behandlungskosten und -nutzen.

Nach Meinung der Gesundheitsökonomen ist zudem das Methodenpapier des IQWiG an entscheidenden Stellen zu eng gefasst. So sei es nicht passend, bei allen Berechnungen nur die Krankenkassenperspektive einzunehmen, denn medizinische Interventionen könnten beispielsweise ebenso das Ausmaß der Pflegebedürftigkeit oder den Eintritt von Erwerbsminderungsrente betreffen. Auch die Ablehnung international anerkannter Forschungsstandards wie Nutzwerte und Qualitäts-korrigierte Lebensjahre (QALYs) würde Deutschland entscheidend von der internationalen Entwicklung der gesundheitsökonomischen Evaluation abkoppeln.

COMPAMED.de; Quelle: Universität Duisburg-Essen